Ärzteschaft

Chronischen Wunden liegt häufig Gefäßerkrankung zugrunde

  • Donnerstag, 28. September 2023
/kittyfly, stock.adobe.com
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Osnabrück – Chronische Wunden sind eine Volkserkrankung – jährlich befinden sich in Deutschland über eine Million Menschen in Behandlung. Auf die Bedeutung von Gefäßerkrankungen bei der Pathogenese der Wun­den wies heute die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) hin.

„In mehr als zwei Dritteln der Fälle liegt einer chronischen Wunde eine Erkrankung des venösen, arteriellen oder lymphatischen Gefäßsystems zugrunde, das wird häufig unterschätzt“, erläuterte Thomas Karl, Direktor des Zentrums für Gefäß- und Endovascularchirurgie der SLK Kliniken Heilbronn, auf dem Jahreskongress der DGG in Osnabrück.

Die Behandlung chronischer Wunden ist laut Fachgesellschaft komplex, zeitaufwändig und erfordert einen hohen Pflege- und Medizinaufwand. Die jährlichen Kosten liegen durchschnittlich in einem fünfstelligen Bereich pro Patient und wären bei rechtzeitiger Intervention und leitliniengerechter, koordinierter Versorgung zu weiten Teilen vermeidbar.

„Trotz der immensen finanziellen Anstrengungen sind diese Patienten oftmals unterversorgt“, sagte Karl. Der Grund dafür sei, dass die zugrunde liegenden Ursachen oftmals nicht oder erst nach monate- oder jahrelan­gen Behandlungsversuchen geklärt und viel zu spät behandelt würden.

Dabei sei die wissenschaftliche Evidenz für die Behandlung der Grunderkrankungen durch Revaskularisation für die periphere arterielle Verschlusskrankheit, für die Kompressionsbehandlung beim Ulcus cruris venosum (UCV) oder für eine Druckentlastung beim diabetischen Fußsyndrom sehr gut, so der Experte.

Dies gelte aber nicht für verschiedene Verfahren der Lokaltherapie, welche die zweite Säule der Behandlung chronischer Wunden sei. „Die wissenschaftliche Datenbasis für die lokale Wundbehandlung ist überwiegend unzureichend“, sagte Karl auf dem Kongress.

Aber trotz fehlendem Wirksamkeitsnachweis oder Nachweis einer Überlegenheit gegenüber einer anderen Wundauflage sei eine Vielzahl von Wundprodukten im Gebrauch, zum Beispiel sogenannte Alginate aus Algenprodukten, PU-Schaumverbände, Unterdruckverbände und anderes.

„Qualitativ hochwertige, randomisierte, multizentrische Studien mit einer ausreichenden Patientenzahl liegen für die überwiegende Zahl an zugelassenen Wundprodukten nicht vor“, kritisierte der DGG-Experte.

hil

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