Politik

Darmkrebsfrüherkennung: Keine belastbare Evidenz für Absenkung der Altersgrenzen und für häufigere Koloskopien

  • Freitag, 17. April 2026
/Kzenon, stock.adobe.com
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Köln – Die Studienlage ist zu dünn, um daraus sicher ableiten zu können, dass ein früherer Beginn der Darmkrebsvorsorge oder ein kürzerer Abstand zwischen Früherkennungskoloskopien einen Nutzen hätte. Das zeigt eine Recherche des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 

Gesetzlich Versicherte haben gemäß den aktuellen Regelungen in Deutschland ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Darmkrebsfrüherkennung. Dazu stehen Darmspiegelungen (Koloskopien) oder Tests auf Blut im Stuhl zur Verfügung.

Die US-amerikanischen Fachgesellschaften haben unlängst ihre Altersempfehlungen für den Beginn des Screenings überprüft und schlagen dafür erstmals ein Alter von 45 statt 50 Jahren vor. Auch gibt es Vorschläge, den in Deutschland üblichen Zehn-Jahres-Mindestabstand zwischen der ersten und der zweiten Darmspiegelung zu verlängern.

Das IQWiG hat daher im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) überprüft, ob es aussagekräftige Evidenz für die unteren Altersgrenzen sowie den zeitlichen Abstand und die Anzahl der Früherkennungskoloskopien gibt. 

Es zeigte sich: Für eine Absenkung der derzeit bestehenden unteren Altersgrenze von 50 auf 45 Jahre liegt keine belastbare Evidenz vor. Gleiches gilt für eine Anpassung des Zeitabstands oder die Häufigkeit der Koloskopie im Vergleich zum aktuellen Vorgehen.

Dies bedeutet laut dem IQWiG aber nicht, dass ein früherer Start des Screenings oder ein kürzerer Abstand zwischen Früherkennungskoloskopien nicht möglicherweise doch sinnvoll sind – nur sei dies nicht erwiesen.

Problematisch ist laut dem IQWiG, dass neue Evidenz zu diesen Fragen zeitnah auch nicht zu erwarten sei, denn für valide Ergebnisse müssten mehrere Zehntausend Menschen über einen sehr langen Beobachtungszeitraum hinweg untersucht werden. Das IQWiG hat daher eine Modellierung erstellt, die ergänzende Informationen zu unterschiedlichen Varianten einer Darmkrebsfrüherkennung liefert. Darin hat das Institut abgeschätzt, wie sich verschiedene Screeningvarianten auswirken könnten. Dies soll dem G-BA helfen, mögliche Optionen miteinander zu vergleichen. 

In der Modellierung zeigte sich wie erwartet, dass man mit mehr Tests mehr Krebs entdecken und mehr Krebstodesfälle verhindern kann. Allerdings steigen dabei der diagnostische Aufwand und die Belastung für die einzelne Person exponentiell an, welche diese Tests absolvieren muss. 

Der G-BA muss daher zwischen mehreren Optionen abwägen. „So ist beispielsweise vorstellbar, die derzeit übliche Darmkrebsfrüherkennung über eine größere Altersspanne anzubieten und hierfür auch die Untersuchungsabstände oder die Anzahl der Tests anzupassen. Auch ein Beibehalten des jetzigen Screening-Angebots wäre aber denkbar“, hieß es aus dem IQWiG. 

hil

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