Darmkrebsfrüherkennung wirkt, nur wenige nehmen teil

Berlin – Die Teilnahmerate an der Darmkrebsfrüherkennung in Deutschland bewegt sich „auf niedrigem Niveau“. Das geht aus dem Evaluationsbericht 2025 „Darmkrebs“ hervor, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) jetzt vorgestellt hat. Der Bericht bezieht sich auf die Jahre 2020 bis 2024.
Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Im Jahr 2022 erkrankten dem Bericht zufolge rund 54.600 Personen an einem kolorektalen Karzinom.
Das 2019 eingeführte Programm für organisierte Krebsfrüherkennung (oKFE) für Darmkrebs bietet gesetzlich Krankenversicherten ab 50 Jahren zwei Untersuchungsoptionen: einen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) sowie die Früherkennungskoloskopie (FEK). Zwischen 2020 und 2023 erhielten durchschnittlich 89,5 % der anspruchsberechtigten Versicherten ein Einladungsschreiben ihrer Krankenkasse.
Die Wirkung dieser Einladungen auf die Teilnahme scheint jedoch begrenzt zu sein: Mehr als die Hälfte der Erstteilnehmenden nahm ohne zuvor dokumentierte Einladung an der Darmkrebsfrüherkennung teil. Zudem vergingen im Median 336 Tage zwischen Einladung und Untersuchung. Weniger als 7 % der Eingeladenen ließen sich innerhalb der ersten drei Monate nach Erhalt des Schreibens untersuchen.
Die Teilnahme am Screening blieb insgesamt niedrig. Bei den 50- bis 54-Jährigen lag die jährliche Teilnahmerate am iFOBT bei Männern zwischen 3,2 Prozent und 3,8 Prozent , bei Frauen zwischen 11,9 Prozent und 13,6 Prozent . In der Altersgruppe ab 55 Jahren stiegen die Zweijahresteilnahmeraten im Beobachtungszeitraum leicht an, erreichten zuletzt jedoch lediglich 7,8 Prozent bei Männern und 10,1 Prozent bei Frauen. Die Vierjahresteilnahmerate der FEK lag bei 7,37 Prozent bei Männern und 6,22 Prozent bei Frauen.
Frauen nahmen den Stuhltest deutlich häufiger in Anspruch als Männer. Bei der Vorsorgekoloskopie zeigte sich das umgekehrte Bild mit etwas höheren Teilnahmeraten bei Männern. Mit zunehmendem Alter gingen die Teilnahmeraten bei beiden Untersuchungsformen zurück.
Die Auswertung weist auf eine hohe Qualität der Untersuchungen hin. Die Positivitätsrate des iFOBT lag mit 9,08 Prozent im international empfohlenen Zielbereich. Bei knapp der Hälfte der rund 2,07 Millionen dokumentierten Früherkennungskoloskopien wurden auffällige Befunde festgestellt. Am häufigsten fanden die Untersucher Polypen, Karzinome waren die seltensten Befunde.
Verglichen mit Nichtteilnehmenden wiesen Personen, die am Screening teilgenommen hatten, niedrigere Krebsraten auf. Bei ihnen wurden 4,06 Darmkrebsfälle pro 1.000 Versicherte registriert, gegenüber 5,40 pro 1.000 bei Nichtteilnehmenden. Zudem wurden bei Teilnehmenden häufiger Carcinomata in situ und seltener invasive Karzinome diagnostiziert. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren spricht dies für eine Verschiebung hin zu früheren Tumorstadien.
Der positive prädiktive Wert (PPV) der Abklärungskoloskopie nach positivem iFOBT betrug 0,60 – das heißt, in 60 Prozent der abgeklärten Fälle wurde eine histologisch gesicherte Neoplasie bestätigt. Die dokumentierte Abklärungsrate nach positivem iFOBT lag aber nur bei 12,9 Prozent, wobei diese aufgrund von Dokumentationsdefiziten laut dem Bericht als Untergrenze zu verstehen ist.
Als Herausforderungen nennt die Arbeitsgruppe die geringe Teilnahme am Programm sowie Defizite bei der Dokumentation von Abklärungskoloskopien nach einem positiven Stuhltest. Verbesserungen des Einladungsverfahrens könnten nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, die Beteiligung am Screening zu erhöhen.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: