Deutschland will Weltgesundheitsorganisation mehr Planungssicherheit geben

Berlin – Bei der Bekämpfung weltweiter Gesundheitsgefahren will Deutschland der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr Planungssicherheit geben. Für die kommenden vier Jahre soll die WHO 115 Millionen Euro von Deutschland erhalten, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestern bei der Eröffnung des World Health Summit in Berlin an.
Bereits gestern hatte ein Ministeriumssprecher betont, die Mittel würden erstmals verbindlich und ohne Zweckbindung als freiwilliger Beitrag aus dem Etat des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) fließen.
Nach Angaben des Ministeriumssprechers werden jeweils 20 Prozent des WHO-Etats aus den Beiträgen der Mitglieder bezahlt, die übrigen 80 Prozent aus freiwilligen Beiträgen. Darüber hinaus gebe es aber noch weitere Zahlungen. Deutschland zählt zu den größten Pflichtbeitragszahlern. Freiwillige Zahlungen seien bisher immer jährlich zugesagt worden, sagte der Sprecher.
Es gehe darum, die WHO nachhaltig zu stärken, „damit sie ihre wichtige Rolle bei der Bekämpfung von internationalen Gesundheitsgefahren noch besser ausfüllen kann“, sagte Spahn am Wochenende dem Tagesspiegel. Dazu gehörten die Eindämmung von Infektionserkrankungen wie der jüngste Ebola-Ausbruch im Kongo sowie der Ausbau des internationalen Krisenmanagements.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Wochende die Bedeutung der WHO. Die Entwicklung neuer Medikamente angesichts von Antibiotika-Resistenzen könne Deutschland „niemals allein“ erreichen, sagte sie in ihrer im Internet verbreiteten wöchentlichen Videobotschaft am vergangenen Samstag.
Merkel betonte auch, die rasante Ausbreitung des Ebola-Fiebers 2014 habe gezeigt, dass „wir alle miteinander verbunden sind“. Daher sei es auch im Interesse Deutschlands, dass Warnsysteme aufgebaut werden, damit sich Pandemien und Epidemien nicht weltweit ausbreiteten.
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) mahnte mehr Anstrengungen im Kampf gegen die Infektionskrankheiten Aids, Tuberkulose und Malaria an. „Jetzt haben wir die einmalige Gelegenheit, Aids, Tuberkulose und Malaria endgültig zu besiegen. Dazu müssen sich deutlich mehr Staaten beteiligen“, sagte der Minister den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Die Ebola-Epidemie ist Westafrika habe gezeigt, „wie schnell Länder mit schwachen Gesundheitssystemen geradezu über Nacht um viele Jahre in ihrer Entwicklung zurückgeworfen werden“, erklärte der Minister. „Wir müssen daraus lernen und gezielt in die Gesundheitsversorgung investieren.“ Eine Milliarde Menschen weltweit habe noch immer keinen Zugang zu Krankenhäusern, Ärzten und Vorsorge.
Der Weltgesundheitsgipfel (World Health Summit) startete gestern und geht bis morgen. Zu dem dreitägigen Kongress werden rund 2.000 Fachleute aus der ganzen Welt erwartet, darunter der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, sowie Microsoft-Gründer Bill Gates. Auch Merkel und Spahn haben ihr Kommen zugesagt.
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