Die Gesundheitswirtschaft in Deutschland wächst

Berlin – Die Gesundheitswirtschaft weist im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überdurchschnittliche Wachstumsraten auf. Im vergangenen Jahr beschäftigte sie sieben Millionen Menschen und erwirtschaftete rund 337 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von zwölf Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Das geht aus einer Untersuchung des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde.
Danach ist die Gesundheitswirtschaft seit 2005 jedes Jahr gewachsen. Auch 2009, im Jahr der Finanzkrise, verzeichnete sie ein positives Wachstum. Der Anteil der deutschen Gesundheitswirtschaft an der Gesamtwirtschaft ist dabei von 10,7 Prozent im Jahr 2005 auf zwölf Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Dem Bericht zufolge bleibt die Branche mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3,8 Prozent pro Jahr ein Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft. Im selben Zeitraum hat die Gesundheitswirtschaft mehr als eine Million Arbeitsplätze geschaffen. Sie hat inzwischen fast so viele Beschäftigte wie das gesamte verarbeitende Gewerbe.
Nach dem Gesundheitswirtschaftsbericht sind die stationären und die nicht-stationären medizinischen Einrichtungen in Deutschland für mehr als die Hälfte der Bruttowertschöpfung und für mehr als 60 Prozent der Arbeitsplätze innerhalb der Branche verantwortlich. Dabei verzeichneten die stationären Einrichtungen wie Krankenhäuser, Reha- und Vorsorgeeinrichtungen oder Pflegeeinrichtungen eine Bruttowertschöpfung von 94 Milliarden Euro, mithin ein Plus von 3,8 Prozent pro Jahr, während die nicht stationären Einrichtungen wie Arzt- und Zahnarztpraxen oder die ambulante Pflege bei 88 Milliarden Euro lagen und ein Plus von 4,3 Prozent pro Jahr erwirtschafteten.
Den Autoren der Studie zufolge sind die Krankenhäuser mit einer Bruttowertschöpfung von 66 Milliarden Euro einer der wichtigsten Bereiche der Gesundheitswirtschaft. In den Arztpraxen wurden im vergangenen Jahr 44 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Gesundheitswirtschaft ist ein zentraler Wirtschaftszweig
Wenn es um die Gesundheitsversorgung gehe, stehe meist die Betrachtung der Kosten im Vordergrund, kritisierte Mathias Machnig, beamteter Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium bei der Vorstellung der Studie. „Wir müssen das Thema Gesundheitswirtschaft breiter verstehen“, forderte er. Denn sie erziele Beschäftigungseffekte, fördere Investitionen, Innovationen sowie Forschung und Entwicklung. Außerdem leiste die Branche einen Beitrag zur Exportstärke der deutschen Wirtschaft. Selbstverständlich müssten Gesundheitsleistungen effizient erbracht werden.
„Aber die Gesundheitswirtschaft ist ein zentraler Wirtschaftszweig“, erklärte Machnig. Diesen Blickwinkel müsse man auch den Gesundheitspolitikern vermitteln. Als Aufgabe für die Wirtschaftsberichterstattung der nächsten Jahre formulierten der Staatssekretär und andere Experten, die Selbstfinanzierungseffekte gegen die Gesundheitskosten gegenzurechnen, oder, wie ein Teilnehmer es formulierte, zu untersuchen, ob eine wachsende Gesundheitswirtschaft „gesamtwirtschaftlich verträglich“ ist.
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