Digitalisierung deutscher Krankenhäuser macht weitere Fortschritte

Berlin – Die Digitalisierung deutscher Krankenhäuser schreitet einer Auswertung zufolge weiter voran. Auf einer Skala von maximal 100 Punkten erreichten die Kliniken mittlerweile 55 Punkte, heißt es in der heute veröffentlichten Analyse „Digital Radar Score“.
Es handelt sich um die dritte flächendeckende Studie des Konsortiums „Digital Radar Krankenhaus“. Insgesamt nahmen 1.531 Krankenhäuser an der Befragung teil. Die Ergebnisse zeigen nach Angaben der Autoren, dass es anhaltende Fortschritte bei der Digitalisierung gebe und die Anstrengungen der vergangenen Jahre messbare Wirkung entfalteten.
2021 lag der Score noch bei durchschnittlich 33 Punkten. Damit gab es eine „massive Steigerung der digitalen Reife von 65 Prozent“, erklärte heute Sylvia Thun, Projektleiterin des DigitalRadar Krankenhaus, bei einer Vorstellung der Ergebnisse. Die Analysen sollen die Auswirkungen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) von 2021 zeigen.
Mit dem KHZG hatten Bund, Länder und Krankenhausträger ab 2021 rund 4,3 Millionen Euro bereitgestellt, um Investitionen in moderne Notfallkapazitäten und eine bessere digitale Infrastruktur der Krankenhäuser in Deutschland zu ermöglichen.
Finanziert werden beispielsweise Patientenportale, Videokonferenzen, die elektronische Dokumentation von Pflege- und Behandlungsleistungen, digitales Medikationsmanagement, die Ausbildung über Onlinetutorials Maßnahmen, zur Cybersicherheit sowie Telemedizin.
Die Digitalisierung der Kliniken sei über alle Versorgungsstufen hinweg vorangeschritten, betonen die Autoren. Besonders deutlich fielen die Verbesserungen in den Bereichen Strukturen und Systeme, Informationsaustausch und klinische Prozesse aus.
Am schwächsten fortgeschritten sei der Telehealth-Bereich. „Besonders kleinere Krankenhäuser konnten ihren digitalen Reifegrad weiter steigern und zu größeren Einrichtungen aufschließen“, heißt es zudem. Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass sich bestehende Unterschiede im digitalen Reifegrad tendenziell verringerten.
Sachsen und Bremen vorne dabei
Auch auf Ebene der Bundesländer zeigt sich nach Angaben der Autoren eine insgesamt positive Entwicklung: „In allen Ländern konnten Verbesserungen gegenüber der vorherigen Erhebung festgestellt werden.“ So habe die Spreizung der unterschiedlichen Digitalreifegrade in den vergangenen fünf Jahren abgenommen. Spitzenreiter unter den digitalisierten Krankenhäusern ist Sachsen. Die größte Veränderung der Digitalreife ist in Bremen zu beobachten gewesen.
In einer Sonderauswertung wurden die Kliniken zudem gefragt, ob sie ihren Mitarbeitenden Schulungen zu Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) anbieten. Dies bejahten rund 60 Prozent. Demnach hat fast die Hälfte aller Kliniken keine relevanten Schulungsangebote. In den Kliniken mit existierenden Schulungen, würden der Befragung zufolge vor allem die Themen Datenschutz und rechtliche Aspekte, IT-Sicherheit aber auch Risiken und Grenzen von KI-Anwendungen behandelt.
Die Ergebnisse des Digitalradars zeigten ein klares Signal, „positive Anreize wirken“, betonte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). „Die Förderimpulse des Krankenhauszukunftsgesetzes haben die digitale Entwicklung spürbar vorangebracht.“
Zugleich warnte Neumeyer davor, die aktuelle Entwicklung als gesichert anzusehen. „Ohne verlässliche Regelungen zur Betriebskostenfinanzierung können wir das erreichte Niveau nicht dauerhaft halten. Digitalisierung endet nicht mit der Anschaffung von Technik – sie muss im laufenden Betrieb finanziert, gepflegt und weiterentwickelt werden“, sagte sie.
Nachhaltige Finanzierung gefordert
Die erhebliche Zunahme der digitalen Reife der Krankenhäuser mache deutlich, dass es eine Digitalisierungsabschlagsvereinbarung – die Vergütungsabschläge von bis zu zwei Prozent je Behandlungsfall vorsieht, wenn Kliniken bestimmte digitale Dienste nicht in Betrieb nehmen – nicht mehr benötige.
„Wer die Digitalisierung weiter stärken will, muss auf nachhaltige Finanzierung und verlässliche Rahmenbedingungen setzen – nicht auf zusätzliche Bürokratie und zusätzliche Abschläge, die die Unterfinanzierung des IT-Betriebs sogar zusätzlich verschärfen“, forderte Neumeyer.
Die Bertelsmann Stiftung hatte den deutschen Krankenhäusern 2018 bescheinigt, bei der Digitalisierung abgehängt zu sein. Im Ländervergleich belegte Deutschland damals von 17 untersuchten Ländern Platz 16.
Verglichen wurde unter anderem, wie weit eine elektronische Patientenakte, ein elektronisches Rezept oder digitale Medikationspläne bereits Bestandteil der Patientenversorgung waren. In einer kurzen Zeit hätten die deutschen Krankenhäuser aber deutlich aufgeholt, betonte heute Thun mit dem Verweis auf die Ergebnisse.
Die Coronapandemie erwies sich als Beschleuniger der Digitalisierung. Experten für Krankenhaus-Digitalisierung äußerten in den vergangenen Wochen allerdings die Sorge, dass die Sparmaßnahmen der Bundesregierung bei der Reform der Krankenversicherung die Digitalisierung abbremsen könnte.
Das Konsortium „Digital Radar Krankenhaus“ setzt sich aus den verschiedenen Partnern HIMSS Europe GmbH, inav – Institut für angewandte Versorgungsforschung und Lohfert & Lohfert AG sowie den Projektpartnern RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Universität St. Gallen zusammen.
Im Mai 2021 hatte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im KHZG die Projektgruppe mit der Evaluierung des Digitalisierungsgrads deutscher Krankenhäuser beauftragt. Das Projekt DigitalRadar Krankenhaus endet nun zum 31. Dezember 2026, es ist keine weitere Erhebungsrunde vorgesehen.
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