Digitalisierungsgrad in kleinen Krankenhäusern zu gering

Münster/Köln – Das Controlling weist in großen Krankenhäusern einen höheren Digitalisierungsstand auf als in mittleren und kleinen Häusern. So verfügen fast 70 Prozent der Krankenhäuser mit mehr als 600 Betten über ein systemübergreifendes Data Warehouse, also über eine zentrale Datenbank, die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenfügt.
In Krankenhäusern mit weniger als 300 Betten verfügen hingegen nur 49 Prozent über ein Data Warehouse. 36 Prozent der kleineren Häuser haben die Anschaffung eines solchen Systems darüber hinaus derzeit auch nicht in Planung.
Das geht aus der aktuellen Studie „Controlling im deutschen Krankenhaussektor“ des Deutschen Vereins für Krankenhauscontrolling (DVKC), des Lehrstuhls für Controlling der Bergischen Universität Wuppertal sowie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Curacon hervor.
Gleichwohl sei festzustellen, dass in vielen Krankenhäusern auch mit Data Warehouse noch in erheblichem Umfang manuelle Aufbereitungen und Nacharbeiten notwendig seien, erklären die Studienautoren. Mehr als 50 Prozent der Krankenhäuser mit Data Warehouse haben demnach die Berichtsprozesse noch nicht durchgehend digitalisiert.
Obwohl die notwendige technische Basis vorhanden sei, bestehe bei deren effizienter Nutzung und Umsetzung noch Luft nach oben. „Und dies ist gerade in Zeiten von COVID-19 relevant, in denen jederzeit aktuell aus dem System abrufbare Informationen kurzfristige Steuerungsentscheidungen erst ermöglichen“, heißt es. Dies könnten nur gut 50 Prozent der Data-Warehouse-Nutzer und damit nur circa ein Drittel aller befragten Krankenhäuser.
Vor dem Hintergrund der Ende 2018 eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen in manchen stationären Abteilungen haben die Krankenhäuser ihr Pflegecontrolling ausgeweitet und spezielle Berichtsformate und Steuerungsprozesse zur Steuerung der Personalressourcen in der Pflege eingerichtet.
Während in der Controlling-Studie 2014 erst 13 Prozent der befragten Häuser Instrumente zum Pflegecontrolling implementiert hätten, seien es 2018/2019 bereits 51 Prozent und 2019/2020 nunmehr 72 Prozent gewesen, erklären die Studienautoren. Gleichwohl steuere noch mehr als jedes vierte Haus den Personaleinsatz ohne entsprechende Instrumente und Prozesse.
Beim Reporting aus dem Pflegecontrolling stehen der Studie zufolge zumeist die Geschäftsführung und Pflegedirektion im Fokus. Auffallend sei, dass die operative Leitungsebene der Pflegebereichsleitungen und Stationsleitungen deutlich weniger ins Berichtswesen eingebunden sei. So erhielten in den befragten Häusern weniger als die Hälfte der Bereichsleitungen und weniger als ein Drittel der Stationsleitungen die relevanten Berichte und damit ein monatliches kennzahlenbasiertes Feedback.
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