Politik

Drei Diagnosen dominieren hohe Zahl der Kranktage

  • Dienstag, 7. Juli 2026
/Ralf, stock.adobe.com
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Berlin – Immer längere Krankheitsdauern werden zum großen Kostentreiber in der gesetzlichen Krankenversicherung. Nach Analysen der Versichertendaten von Betriebskrankenkassen (BKK) fielen im Jahr 2025 mehr als ein Viertel der Fehltage auf Menschen, die Krankengeld beziehen.

Der Lohnersatz wird ab dem 43. Krankheitstag von den Krankenkassen bezahlt. Von den 22,1 Ausfalltagen je Beschäftigtem im Jahr 2025 waren 6,8 Tage im Krankengeld. Insgesamt zahlten Krankenkassen im vergangenen Jahr 21,6 Milliarden Euro für das Krankengeld.

Damit gehört es zu den „größten Ausgabepositionen“ in der GKV überhaupt, heißt es vom BKK-Dachverband. Der Verband vertritt 63 BKKen bundesweit mit 9,6 Millionen Versicherten.

Der Krankenstand insgesamt blieb im Jahr 2025 allerdings bei 22,1 Tagen stabil und lag damit erneut bei 6,1 Prozent. Damit war jedes beschäftigte BKK-Mitglied rund zwei Mal im vergangenen Jahr krankgeschrieben.

Nach Berechnungen des BKK-Dachverbandes betrug die durchschnittliche Falldauer 11,5 Tage. Häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit seien mit 35,0 Prozent Atemwegserkrankungen gewesen, die wegen ihrer kurzen Dauer von etwa 6,1 Tagen aber laut BKK finanziell kaum ins Gewicht fallen.

„Die AU-Daten zeigen es: Es sind nicht die kurzen Erkältungen, die das Gesundheitssystem finanziell belasten. Es sind die langen, oft muskel-skelett und psychisch bedingten Ausfälle, die zum eigentlichen Kostentreiber werden", erklärte Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbandes in einer Mitteilung.

Betrachtet man die hohe Zahl an Menschen mit Krankengeldbezug, liegt dies nach der BKK-Analyse vor allem an zwei Krankheitsbildern: So gingen 2,2 Krankengeldtage je Beschäftigten auf eine psychische Erkrankung zurück, deren Krankschreibungen zwar im Gesamtvolumen nur 5,4 Prozent ausmachen.

Allerdings liegt die durchschnittliche Falldauer inzwischen bei 39,1 Tagen. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 0,9 Tage gestiegen. Die Zahl der Muskel-Skelett-Erkrankungen liegt 1,7 Krankengeldtagen je Beschäftigten.

„Wir beobachten den Trend der psychischen Belastungen in der Arbeitswelt schon lange und brauchen endlich eine ernsthafte Debatte über Präventionsstrategie bei psychischen Erkrankungen – und das nicht nur in der Arbeitswelt", so Klemm weiter.

„Wir müssen das Gesundheitssystem viel stärker an Prävention ausrichten und die Gesundheitskompetenz konsequent fördern. Dafür müssen verschiedene politische Ressorts zusammenarbeiten – allen voran die Ressorts Bildung und Gesundheit.“

Blickt man in die Regionen, sieht man die wenigsten Fehltage in Baden-Württemberg: Hier fehlten BKK-Versicherte an 18,5 Tagen, in Mecklenburg-Vorpommern an 29 Tagen.

Die schwarz-rote Regierungskoalition hatte vergangene Woche angekündigt, die Möglichkeiten zur telefonischen Krankschreibung abzuschaffen und die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Tag einführen zu wollen. Damit soll laut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) der Krankenstand in Deutschland gesenkt werden. Die geplante Abschaffung der bisherigen Regelungen erntete viel Kritik, auch die SPD relativierte die Beschlüsse wieder.

bee

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