Vermischtes

Ebola-Patient aus Berliner Charité entlassen

  • Montag, 8. Juni 2026
Der Eingang zum Campus Virchow-Klinikum (Virchow-Krankenhaus) der Charité am Augustenburger Platz/ picture alliance, Soeren Stache
Der Eingang zum Campus Virchow-Klinikum (Virchow-Krankenhaus) der Charité am Augustenburger Platz/ picture alliance, Soeren Stache

Berlin – Nach gut zwei Wochen Behandlung in der Berliner Charité ist der US-amerikanische Ebola-Patient am Wochenende gemeinsam mit seiner Familie aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Arzt, der sich in der Demokratischen Republik Kongo infiziert hatte, befinde sich in gutem Gesundheitszustand, teilte die Klinik zu seiner Entlassung mit. Da seit einer Woche kein Virus mehr bei ihm nachgewiesen wurde, sei seine Isolationspflicht vorgestern Mittag aufgehoben worden.

Der Arzt war am 20. Mai in der Charité aufgenommen worden. Bei ihm wurde nach Angaben der Universitätsklinik das seltene Bundibugyo-Virus, eine Art des Ebola-Virus, mit einem PCR-Test eindeutig nachgewiesen. Seine Ehefrau und vier Kinder kamen kurz darauf nach Berlin. Sie waren als „Hochrisikokontakte“ eingestuft worden, hatten aber keine Symptome und befanden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne.

Der US-Patient selbst bedankte sich beim Charité-Team: „Ich wurde erstklassig versorgt, unter anderem mit experimentellen Therapien, die derzeit zur Behandlung dieser Virusart erprobt werden“, wurde er in einer Mitteilung der Charité zitiert. „Meine Dankbarkeit lässt sich mit Worten nicht angemessen beschreiben. (...) Unsere Gedanken sind auch bei den Menschen im Kongo, die nicht die Möglichkeit haben, eine solche Versorgung zu erhalten.“

Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen. In der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika, wo der US-Amerikaner tätig war, ist der jüngste Ebola-Ausbruch besonders schwer einzudämmen. Einer der Gründe: Für den Bundibugyo-Typ gibt es bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie.

Der Charité-Patient war von Uganda aus mit einem Spezialflugzeug nach Berlin geflogen und dann unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in die Charité gebracht worden. Dort wurde er in einer Sonderisolierstation auf dem Campus Virchow-Klinikum behandelt.

Dabei handelt es sich um eine geschlossene und geschützte Einheit, getrennt vom regulären Klinikbetrieb, sodass kein Kontakt zu anderen Patienten entstehen kann. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) bestand daher weder für die Bevölkerung noch für andere Patienten eine Gefahr.

Schrittweise Besserung

Anfangs sei der Mann sehr geschwächt gewesen und habe typische Symptome einer Ebola-Virus-Infektion gezeigt, so die Klinik. Zudem habe er eine hohe Viruslast aufgewiesen. Im Zuge einer kombinierten antiviralen Therapie und weiteren begleitenden medizinischen Maßnahmen hätten sich die Krankheitszeichen bereits im Verlauf der ersten Woche deutlich zurückgebildet. Sein Zustand habe sich kontinuierlich gebessert, die Laborwerte hätten sich normalisiert.

„Wir sind sehr erfreut über den erfolgreichen Behandlungsverlauf und werten diesen als bedeutenden therapeutischen Erfolg“, sagte der Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin der Charité, Leif Erik Sander. „Die Sonderisolierstation der Charité hat sich einmal mehr als unverzichtbarer Baustein in der Bewältigung hochpathogener Infektionen erwiesen.“

Der Ebola-Ausbruch im Kongo und in Uganda ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch weit davon entfernt, unter Kontrolle zu sein. Laut WHO wurden im Kongo bislang 488 bestätigte Fälle gemeldet, darunter 86 Todesfälle. Im Nachbarland Uganda sind demnach 19 Fälle und 2 Todesfälle bestätigt worden.

Um die Ausbreitung der Viruskrankheit zu stoppen, ist es laut WHO nötig, 90 Prozent aller Menschen, die mit einer mit Ebola infizierten Person in Kontakt waren, zu ermitteln und zu beobachten. Derzeit liege die Kontaktverfolgung bei rund 45 Prozent.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus betonte in dieser Woche, wie schwierig es sei, die Kontakte von Infizierten zu isolieren und zu überwachen. Zudem müsse noch mehr getan werden, um das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, damit Kranke sich melden und in den Behandlungszentren bestmöglich versorgt werden können. Misstrauen, Aberglaube und Desinformation halten viele Menschen davon ab, sich oder ihre Angehörigen behandeln zu lassen.

Das tödliche Virus hatte sich wahrscheinlich schon wochenlang in der Provinz Ituri an der Grenze zu Uganda und im Südsudan ausgebreitet, bevor es Mitte Mai entdeckt wurde. Der Bundibugyo-Typ des Ebolavirus war mit herkömmlichen Tests nicht erkannt worden. Die WHO treibt nach eigenen Angaben die Entwicklung von Impfstoffen und Therapeutika für den Virustyp voran.

In den Jahren 2014 und 2015 waren bei einer Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 11.000 Menschen gestorben. Beim zweitschwersten erfassten Ausbruch von 2018 bis 2020 im Ostkongo starben rund 2.300 Menschen.

dpa

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