Ebola: WHO schlägt Alarm
Genf – Das ganze Ausmaß der Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterschätzt worden, weil zahlreiche Infizierte von ihren Familien versteckt wurden. Die Menschen seien davon ausgegangen, dass es für Ebola sowieso keine Heilung gebe und es für die Todkranken besser sei, wenigstens zu Hause sterben zu können, heißt es in einer am Freitag in Genf veröffentlichten Mitteilung. Darin wird vor allem die Lage in Liberia und Sierra Leone als katastrophal geschildert.
Experten sind bereits seit längerem davon ausgegangen, dass es eine hohe Dunkelziffer bei Ebola-Opfern gibt. Nun werden sie von der jüngsten WHO-Mitteilung in ihren Befürchtungen bestärkt. Bislang wurden der WHO 1.350 Todesfälle gemeldet. Wie viele es tatsächlich sind, ist offenbar kaum abzuschätzen.
„In Dörfern werden Leichen verbrannt, ohne dass die Gesundheitsbehörden informiert werden und eine Untersuchung der Todesursache vorgenommen werden kann“, heißt es der WHO-Mitteilung. Oft würden Patienten den Verdacht auf Ebola von sich weisen, um nicht in Isolationszentren zu kommen. Sie fürchteten, sich erst dort tatsächlich anzustecken.
Krankenhäuser und Labors seien in den betroffenen Ländern meist völlig überfordert, viele Gesundheitseinrichtungen seien zudem geschlossen worden. „Die Angst hält die Patienten fern und treibt das medizinische Personal in die Flucht.“ In einigen Teilen Liberias, darunter in der Hauptstadt Monrovia, sei die gesundheitliche Versorgung praktisch zum Erliegen gekommen.
Allerdings wurden am Freitag auch vorsichtige Hoffnungen genährt, dass die Entwicklung eines wirksamen Heilmittels möglich ist: Die WHO teilte mit, Ebola-Patienten in Liberia seien nach Behandlung mit dem experimentellen Mittel „ZMapp“ auf dem Weg der Besserung.
Bei einer Krankenschwester und einem Arzt aus Liberia, die sich bei der Arbeit infiziert hatten, sei jeweils eine „deutliche Verbesserung“ des Gesundheitszustands eingetreten. Der Zustand eines weiteren mit dem Präparat behandelten Arztes sei zwar noch ernst, aber auch bei ihm sei eine Besserung zu beobachten.
In den USA waren am Donnerstag zwei an Ebola erkrankte und mit „ZMapp“ behandelte Helfer für geheilt erklärt worden. Sie hatten sich bei Hilfseinsätzen in Liberia infiziert und waren vor etwa drei Wochen ausgeflogen worden. Jedoch sind nun laut WHO die Vorräte des Mittels aufgebraucht. Wann die US-Herstellerfirma wieder Dosen liefern kann, war unklar. Auch von anderen experimentellen Mitteln, die zur Therapie oder als Impfung verwendet werden könnten, gibt es laut WHO nur geringe Mengen.
Die WHO hatte am 12. August angesichts der Ausweitung der Ebola-Epidemie grünes Licht für die Anwendung experimenteller Wirkstoffe gegeben. Über weitere Bemühungen zur Bereitstellung von Ebola-Medikamenten sollen am 4. und 5. September auf Einladung der WHO internationale Experten in Genf beraten.
Nach Ansicht des Virologen Stephan Becker von der Universität Marburg ist es zu früh für eine Aussage zum Nutzen von „ZMapp“. „Wir können mit den wenigen Patienten, die zu völlig unterschiedlichen Zeiten und unter nicht kontrollierten Bedingungen behandelt worden sind, nur schwer eine Aussage machen“, sagte er. Es sehe zwar danach aus, das das Mittel helfe, allerdings könnten die bisherigen Genesungen auch andere Gründe haben. “ZMapp“ besteht aus drei Antikörpern, die es dem Immunsystem ermöglichen sollen, infizierte Zellen zu eliminieren.
Aus Liberia wurde berichtet, dass dort innerhalb einer Woche 13 Ebola-Patienten die lebensgefährliche Erkrankung überstanden hätten. Sie hätten mit Genehmigung der Gesundheitsbehörden eine Isolierstation in Monrovia verlassen, berichtete die lokale Zeitung „Front Page Africa“. Laut Angaben der WHO ist der Ebola-Ausbruch in Westafrika zwar der bislang größte, jedoch sei die Überlebensrate mit etwa 47 Prozent höher als bei früheren Epidemien mit dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus.
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