Politik

EMA-Bewerbung: Deutschland wirbt mit „Closer to Europe“ für Bonn

  • Montag, 7. August 2017
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (links) und Wolfgang Clement /dpa
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (links) und Wolfgang Clement /dpa

Düsseldorf – Ein Umzug der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) von London nach Bonn würde den regionalen Arbeitsmarkt ebenso wie den Wissenschafts- und Wirt­schafts­standort stärken. Das haben Bundes- und Landespolitiker heute in Düsseldorf bei der Vorstellung der Bonner Bewerbung unterstrichen. Allerdings ringen 19 EU-Staaten um die lukrative Chance, die EMA in ihr Land zu holen. Die derzeit noch in London ansässige Arzneimittelagentur mit knapp 900 Mitarbeitern muss wegen des EU-Austritts Großbritanniens in einen anderen EU-Staat umziehen.

„36.000 Experten pro Jahr suchen die Behörde auf“, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Neben den Vorteilen für das Forschungsnetz hätten auch Hotels, Gast- und Freizeitstätten Wachstumsimpulse zu erwarten. Als Vorteil Bonns im Wettbewerb um den künftigen EMA-Sitz wertet die Bundesregierung unter anderem die Lage des früheren deutschen Regierungssitzes in der europäischen Rhein-Region und Bonns Position als „starker Gesundheits- und Pharmastandort“.

Der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Ex-Bundeswirtschafts­minis­ter Wolfgang Clement wirbt in Gröhes Auftrag ehrenamtlich als Sonderbeauftragter für seine langjährige Wahlheimat Bonn. „Die Kriterien der Europäischen Kommission für den EMA-Standort kann kaum eine Stadt besser erfüllen“, sagte der 77-Jährige. Bonn sei „wirklich routiniert in Umzügen“. „Ich kenne keine Umstrukturierung, die weltweit so perfekt gelungen ist, wie der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin“, erklärte er. Die Gesundheitswirtschaft sei eines der wichtigsten Wachstumsfelder für Deutschland mit Top-Jobs.

Die zulassungsbehördliche, EU-weite Aufsicht über Arzneien für Mensch und Tier sei eine hochsensible Aufgabe, die im Interesse der Patientensicherheit am neuen Stand­ort nahtlos fortgeführt werden müsse, unterstrich Gröhe. Bonn habe alle Voraussetzun­gen. Land und Bund wollen zehn Jahre lang Anschubhilfe leisten.

Deutschlands Bewerbung Bonns um den künftigen Sitz der EMA steht unter dem Motto „Closer to Europe“ („Näher an Europa“). Mit diesem Slogan will die Bundesregierung in den nächsten Monaten in Brüssel und den EU-Mitgliedsstaaten für Bonn als „idealen Standort“ der EMA, die 1995 gegründet wurde, werben.

Über den künftigen Sitz der EMA, die für die wissenschaftliche Überprüfung, Aufsicht und Überwachung von Medikamenten sowie deren Zulassung in der EU zuständig ist, müssen die Mitgliedstaaten gemeinsam entscheiden. Die EU-Kommission will am 30. September einen Bericht vorlegen. Nach einer Debatte im Oktober werden die Europa­minister der Mitgliedstaaten im November über den neuen EMA-Standort abstimmen.

afp/dpa

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