Regierung will Europäische Arzneimittelagentur nach Bonn holen
Berlin – Die Bundesregierung will die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) von London nach Bonn holen. Die Bundesrepublik bewerbe sich unter dem Motto „Closer to Europe“ offiziell bei der EU um die Ansiedlung der Behörde in der Bundesstadt, teilte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) heute in Berlin mit. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU muss ein neuer Standort gefunden werden. Die offizielle Bewerbungsfrist endet am 31. Juli. Die Entscheidung über den künftigen Standort durch den Europäischen Rat wird im November erwartet.
„Die Europäische Arzneimittelagentur hat sich innerhalb der EU zu einem Wächter über die Arzneimittelsicherheit und damit auch die Patientensicherheit entwickelt“, erklärte Gröhe. Mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn, dem Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt und dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in Köln stünden der EMA in Deutschland geballtes Fachwissen und starke nationale Partner in unmittelbarer Nähe zur Seite. „Das wissenschaftlich und wirtschaftlich bestens aufgestellte Umfeld macht Bonn zu einem starken Standort für die Europäische Arzneimittelagentur.“
Auch der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), und Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan verwiesen auf die günstige Lage der Bundesstadt innerhalb Europas, gute Verkehrsanbindungen und „hervorragende Rahmenbedingungen“ für die Wissenschaft und die Mitarbeiter. Sridharan erklärte, Bonn genieße als Gesundheitsstandort weltweit einen hervorragenden Ruf und habe als deutsche Stadt der Vereinten Nationen die internationale Infrastruktur, die die EMA benötige.
Der CDU-Abgeordnete Peter Liese (Fraktion der Europäischen Volkspartei, EVP) hatte kürzlich in einem Positionspapier Argumente für den Umzug der EMA nach Straßburg aufgelistet. Dort gebe es bereits den Europarat mit seiner Agentur für die Qualität von Arzneimitteln und Gesundheitsfürsorge sowie internationale Schulen. Außerdem seien in Straßburg und Umgebung zahlreiche Pharmakonzerne und einschlägige Forschungsinstitute angesiedelt, hatte Liese argumentiert.
Um den Sitz der EMA bewerben sich zahlreiche Städte – unter anderem Lille in Nordfrankreich, Bonn, Barcelona und Bukarest. Die Entscheidung über den neuen Standort der Agentur mit 900 Angestellten soll im November von den EU-Staaten getroffen werden.
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