Ärzteschaft

Enge Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten entscheidend für Versorgung

  • Donnerstag, 22. Oktober 2026
/Anna Kosolapova, stock.adobe.com
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Berlin – Die Politik zerbricht sich derzeit über die genaue Ausgestaltung für ein Primärversorgungssystem den Kopf. Noch ist vieles offen. Überlegt wird auch, ob es Quoten für die Behandlung beim Hausarzt geben soll. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) warnt vor diesem Ansinnen.

Hintergrund ist eine Forderung der CSU in ihrem Leitantrag „Näher am Menschen – Für ein bürgernahes und bodenständiges Bayern“. Demnach soll die hausärztliche Versorgung so gestärkt werden, „dass künftig rund 80 Prozent der Fälle beim Hausarzt fallabschließend behandelt werden können, ohne dass Patienten unnötig durch das System geschickt werden“.

Das Zi weist darauf hin, dass das Primärarztsystem zu einer besseren Patientensteuerung beitragen soll. Ziel sollte es sein, dass Patienten zum richtigen Zeitpunkt die medizinisch notwendige Versorgung erhalten. Von diesem Ziel könnten politisch vorgegebene Quoten für den Anteil der Patienten, die ausschließlich hausärztlich behandelt werden sollen, ablenken, schreibt das Institut.

Aktuelle Datenauswertungen des Zi zeigen demnach, dass eine solche Zielvorgabe durch die Politik erheblich in haus- und fachärztliche Versorgung eingreifen würde. Derzeit nehmen viele gesetzlich Versicherte mehr als eine Hausarztpraxis pro Jahr in Anspruch. So waren rund 30 Prozent der Versicherten bei zwei Hausarztpraxen und rund zehn Prozent bei drei und mehr Hausarztpraxen, wobei für die letzte Gruppe überproportional viele Hausarztkontakte anfallen.

Für die gesetzlich Versicherten, die in einem Jahr nur eine Hausarztpraxis in Anspruch genommen haben, finden sich in den Abrechnungsdaten für rund 21 Prozent pro Quartal hausärztliche Überweisungen in die fachärztliche Versorgung im gleichen oder im folgenden Quartal. Tatsächlich wurden aber 57 Prozent dieser Patienten fachärztlich mit behandelt. Unklar bleibt, für wie viele Patienten eine hausärztliche Überweisung in den Abrechnungsdaten nicht dokumentiert wurde.

Über die Dauer eines gesamten Jahres zeigt sich eine noch stärkere Bedeutung der fachärztlichen Versorgung. Für 36 Prozent der Versicherten, die regelhaft von einer Hausarztpraxis behandelt wurden, fand sich mindestens eine Überweisung in die fachärztliche Versorgung. Insgesamt nahmen 68 Prozent innerhalb eines Jahres auch fachärztliche Leistungen in Anspruch.

„Die Daten verdeutlichen, dass die fachärztliche Mitbehandlung für einen großen Teil der kontinuierlich hausärztlich versorgten Bevölkerung zum regulären Versorgungsgeschehen gehört“, erklärte der Zi-Vorstandsvorsitzender Dominik von Stillfried. Das gelte insbesondere dann, wenn man darauf schaue, welche Patientenanteile bei längerer Bindung an eine Hausarztpraxis fachärztlicher Mitbehandlung bedürfen würden.

Zudem regt das Zi an, die Behandlungsqualität nicht außer Acht zu lassen. Es sei nicht entscheidend, möglichst viele Menschen ausschließlich in der hausärztlichen Versorgung zu halten, sondern die vorhandenen Behandlungskapazitäten nach dem medizinischen Bedarf bestmöglich einzusetzen.

„Haus- und Fachärzte leisten beide unverzichtbare Beiträge zur medizinischen Versorgung. Besonders gut funktioniert das, wenn sie eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten“, so von Stillfried.

EB

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