EU-Parlamentarier Liese rechnet mit Abflauen der Pandemie ab dem Frühjahr

Straßburg – Der CDU-Europaabgeordnete und Arzt Peter Liese rechnet damit, dass die Gefahr durch das Coronavirus SARS-CoV-2 im nächsten Frühjahr deutlich abnimmt. Grund sei, dass viele Projekte zur Erforschung eines Impfstoffes bereits sehr weit fortgeschritten seien.
„Insgesamt sechs Projekte sind schon in der dritten Phase der klinischen Prüfung. Viele Unternehmen planen, diese Phase noch im Herbst abzuschließen und dann eine Zulassung zu beantragen“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Christdemokraten.
Gleichzeitig habe die Europäische Kommission Gespräche mit fünf Firmen abgeschlossen, um im Falle einer erfolgreichen Impfstoffentwicklung sehr schnell große Mengen des Impfstoffs zu bekommen.
Am aussichtsreichsten ist Liese zufolge das Mittel der Mainzer Firma Biontech und deren Partner Pfizer, die die klinischen Tests im Oktober abschließen und im November die Zulassung beantragen wollten.
Sobald ein Impfstoff zur Verfügung stehe, müssten in einer ersten Phase zunächst 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung geimpft werden, darunter Beschäftigte im Gesundheitswesen und Risikogruppen, sagte Liese.
In Europa wären dafür etwa 200 Millionen Dosen Impfstoffen nötig. „Ich glaube, eine Impfquote von 20 bis 30 Prozent würde helfen, den Horror zu nehmen“, sagte er. Gleichzeitig mahnte er, die Reiseregelungen in der Europäischen Union zu vereinheitlichen und auf wissenschaftliche Grundlagen zu stellen.
„Die Akzeptanz der Bevölkerung für die Maßnahmen leidet nicht nur durch Verschwörungstheorien, sondern auch dadurch, dass sowohl in Deutschland als auch zwischen den europäischen Ländern sehr viele verschiedene Kriterien gelten“, kritisierte er.
Es dominierten individuelle Entscheidungen einzelner nationaler und regionaler Entscheidungsträger. „Das aber schafft Chaos und verringert die Akzeptanz. Deswegen müssen wir dies dringend ändern“, so Liese.
Auch der Fraktionschef der Liberalen, Dacian Ciolos, wandte sich in diesem Sinne in einem Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel.
Die Kommission müsse die Abstimmungen zwischen den EU-Ländern koordinieren und alle Mitgliedstaaten müssten sich darauf einlassen. „Es darf keine Rückkehr zu dem Chaos wie im März geben“, warnte der Rumäne.
Wie bereits zu Beginn der Pandemie im Frühjahr gehen die einzelnen EU-Staaten derzeit sehr unterschiedlich bei Reisebeschränkungen wegen COVID-19 vor.
So gibt es von deutscher Seite zwar eine Reisewarnung für die belgische Hauptstadt Brüssel, nicht aber von französischer. Ungarn hat unter Berufung auf Corona sogar generell die Einreise untersagt. Ausnahmen gibt es nur für Reisende aus Polen, Tschechien und der Slowakei.
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