Ärzteschaft

Fachgesellschaft will einheitliche Maßeinheiten in der Labormedizin

  • Dienstag, 4. März 2025
/Countrypixel, stockadobecom
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Berlin – Eine Initiative zur Vereinheitlichung von Maßeinheiten in der Labormedizin will die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) vorantreiben. Die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft lädt weitere Fachgesellschaften, Berufsverbände und andere direkt oder indirekt Betroffene ein, das Vorhaben zu unterstützen.

Die DGKL verweist darauf, dass in der Medizin häufig Zahlenwerte genutzt werden, ohne gegebenenfalls dazu gehörende Maßeinheiten zu nennen. Das gelte zum Beispiel beim Blutdruck, bei dem die Einheit mm Hg häufig weggelassen wird (Blutdruck ist „120 zu 80“). Auch in der Laboratoriumsmedizin würden Messergebnisse, die als Zahlenwerte ermittelt wurden, im klinischen Alltag sowohl vom medizinischen Personal als auch von Patienten in der Regel ohne weitere Nennung der Maßeinheiten genutzt. Obwohl dieses Verhalten üblich, bequem und schnell ist, könne es mitunter gravierende negative Konsequenzen für die betroffenen Patienten haben, so die Warnung.

Beispielhaft nennt die Fachgesellschaft die Glukosemessung – die häufigste labormedizinische Untersuchung. Üblich sind hier die Konzentrationsangaben in mg/dl (häufig auch als konventionelle Einheiten bezeichnet) sowie die Angaben in mmol/l (häufig als SI-Einheit bezeichnet). In der DDR erfolgte die Umstellung von mg/dl auf mmol/l ab 1978, während in den alten Bundesländern in der Regel weiter in mg/dl gearbeitet wird. Ein Glukosewert von 20 wäre in mg/dl gleichbedeutend mit einer schweren Hypoglykämie (ca. 1,1 mmol/l), würde in mmol/l jedoch eine schwere Hyperglykämie (ca. 360 mg/dl) anzeigen.

Das häufig gemessene „Blutbild“ enthält auch den Hämoglobingehalt (Hb). Ein Hb von 9 bei einer erwachsenen Frau in g/dl wäre gleichbedeutend mit einer Anämie (ca. 5,6 mmol/l), in mmol/l entspräche dies einem unauffälligen Befund (ca. 14,5 g/dl), so die DGKL.

Die Beispiele würden zeigen, dass die reine Nutzung der Zahlenwerte – ohne die Nennung der Einheiten – mit gravierenden Fehldiagnosen verbunden sein kann. Diese könnten zu falschen therapeutischen Maßnahmen führen und damit die Patientensicherheit ernsthaft gefährden. Dieses Patientenrisiko könne durch die Verwendung von einheitlichen Maßeinheiten beseitigt werden.

Ein weiterer Aspekt betreffe die jüngst eingeführte elektronische Patientenakte (ePA). Hier werden die behandelnden Ärztinnen und Ärzte künftig nicht nur die Befunde ihres gewohnten Labors, sondern auch alle anderen Laborbefunde des Patienten sehen. Ohne eine Standardisierung der verwendeten Einheiten werde die Interpretation fehleranfällig sein, so die DGKL. An der Initiative Interessierte seien eingeladen, sich an die Fachgesellschaft zu wenden (einheit-bei-den-einheiten@dgkl.de).

aha

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