Förderfonds zur Beschleunigung von Forschung vorgeschlagen

Berlin – Forschungsergebnisse müssen schneller und strukturierter in industrielle Produkte überführt werden. Diese Forderung hat das Forum Gesundheitsforschung in einer neuen Expertise erhoben. „Demografischer Wandel und die Veränderung des Lebensstils führen dazu, dass Volkskrankheiten und Mehrfacherkrankungen in der Bevölkerung zunehmen“, heißt es darin. Das stelle die Gesellschaft vor große Herausforderungen.
Neue und innovative Präventionskonzepte, Diagnose- und Therapieverfahren sowie neue, bessere und bezahlbare Wirkstoffe für Arzneimittel würden „dringend gebraucht“. Die Entwicklung neuer Verfahren und Wirkstoffe sei jedoch schwierig und mit hohen Entwicklungsrisiken verbunden. Deshalb sollten Hürden in der Wertschöpfungskette abgebaut werden, die die Translation behinderten.
Fonds könnte 60 Millionen Euro umfassen
Die Arbeitsgruppe Wertschöpfungskette des Forums Gesundheitsforschung rät, an zwei Punkten anzusetzen. „Zum einen sollte die Validität und Qualität der biomedizinischen Grundlagenforschung verbessert werden“. Zum anderen empfiehlt sie ein Translationsprogramm, in dem akademische und industrielle Partner früher und systematischer zusammenarbeiten sollen.
Für die validere und qualitätsvollere biomedizinische Grundlagenforschung regt das Forum unter anderem an, dass Wissenschaftler ihre Ergebnisse als Open Access publizieren und ihre Daten so verfügbar machen, dass eine gegenseitige Nutzung möglich ist.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt außerdem, eine „zukunftsweisende Form der Zusammenarbeit zwischen Akademia und Industrie zu initiieren“. Hierzu sollte ein Translationsprogramm aufgelegt werden, das der Bund und Industriepartner durch einen gemeinsamen Fonds finanzieren. Dieser Translationsfonds sollte Projekte zur Entwicklung von potenziellen Wirkstoffen fördern. Ein Kernelement sollte die Beratung der geförderten Forschungsprojekte durch Projektmanager mit langjähriger Erfahrung in der Wirkstoffentwicklung sein.
Der Fonds sollte nach einer ersten Kostenabschätzung des Forums über ein jährliches Budget von rund 60 Millionen Euro verfügen – die eine Hälfte könnte von der Industrie kommen, die andere von der öffentlichen Hand. Aufgrund der langen Entwicklungszeiten von Wirkstoffen sollte der Förderungszeitraum mindestens zehn bis fünfzehn Jahre betragen.
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Forum Gesundheitsforschung besteht seit Herbst 2015. Dem Forum gehören Vertreter der deutschen Forschungsorganisationen sowie der Wirtschaft auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung an.
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