Forscher finden mögliche Schlüsselgene für Osteoporose-Therapie

Brisbane – Die Identifikation zahlreicher neuer Risikogene könnte einer gezielten Therapie der Osteoporose neuen Antrieb geben. In Nature Genetics berichten Forscher an der University of Queensland und der McGill University in Kanada mit Arbeitsgruppenleiter David Evans entsprechende Ergebnisse (2017; doi: 10.1038/ng.3949).
Die typische Osteoporose-Therapie umfasst die Gabe von Calcium, Vitamin D und Bisphosphonaten. Für bestimmte Patienten gibt es mittlerweile auch gezieltere Therapien, wie die Gabe des monoklonalen Antikörpers Denosumab. Osteoporose ist keine einfache Alterserscheinung, sondern wird auch durch eine komplexe Steuerung der Genexpression beeinflusst.
Datenbank mit 140.000 Probanden
In ihrer Studie nutzten die Forscher die Daten von mehr als 140.000 Probanden, deren Genom sequenziert und in der UK Biobank gespeichert wurde. Die Probanden hatten außerdem ein spezielles Ultraschall der Ferse erhalten, im Rahmen dessen die Knochenmasse quantitativ bestimmt werden konnte. So konnten die Forscher Assoziationen zwischen bestimmten Genvarianten und der Knochendichte herausarbeiten. Den Forscher waren nach eigenen Angaben bis dahin 50 Mutationen bekannt, die eine Osteoporose begünstigen können.
Im Rahmen der Sequenzierung konnten die Wissenschaftler 153 weitere Genveränderungen entdecken, die das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. Die Forscher untersuchten mithilfe von Mausmodellen und Genexpression-Assays die funktionelle Relevanz der gefundenen Veränderungen.
Sie stellten fest, dass unter den Mutationen eine Veränderung des Gens GPC6 in therapeutischer Hinsicht besonders relevant sein könnte. Das Gen codiert für einen Co-Rezeptor, der die Ausbildung der extrazellulären Matrix steuert. Ein Verlust des Gens führte im Mausmodell zu einer Osteoporose. Da der Rezeptor extrazellulär vorhanden ist, wäre er möglicherweise auch therapeutischen Interventionen zugänglich, so die Hypothese der Wissenschaftler.
Mit ihrer Studie konnten die Wissenschaftler die Anzahl der bekannten Risikogene für eine Osteoporose um den Faktor vier vergrößern. Künftige Studien müssen nun zeigen, welche der gefundenen Veränderungen für therapeutische Interventionen nutzbar sind.
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