Frauen mit Gerinnungsstörungen warten oft Jahre auf ihre Diagnose

Köln – Auch Frauen können an Hämophilie erkranken – weil die Gerinnungsstörung aber als Männererkrankung gilt, vergehen oft Jahre, bis die Diagnose bei Frauen gestellt wird. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) hin.
„Viele Patientinnen haben bereits über Jahre hinweg Beschwerden, ohne dass eine Gerinnungsstörung als Ursache in Betracht gezogen wird. Im Durchschnitt kommt es zu mehreren Blutungsereignissen“, erläutert die DGTI-Expertin Karina Althaus, Oberärztin am Institut für Klinische und Experimentelle Transfusionsmedizin am Uniklinikum Tübingen.
Hämophilie A und B sind X-chromosomal-rezessiv vererbte Erkrankungen. Es erkranken überwiegend Männer, weil sie nur über ein X-Chromosom verfügen. Frauen, die das veränderte Gen tragen, fungieren als Überträgerinnen für ihre Kinder – aber auch sie haben laut der Fachgesellschaft häufig einen erniedrigten Gerinnungsfaktor, der eine Blutungsneigung verursacht.
„Typische Hinweise auf eine Blutungsstörung sind unter anderem ungewöhnlich starke oder langanhaltende Regelblutungen, häufiges Nasenbluten oder große Blutergüsse ohne erkennbare Ursache. Gerade diese Symptome werden jedoch im Alltag oft als normal eingeordnet oder anderen Ursachen zugeschrieben“, erläutert Althaus.
Ein zentrales Problem: Die Beschwerden passen häufig nicht in das klassische Bild der Hämophilie. Während bei Männern vor allem Gelenkblutungen im Vordergrund stehen, äußert sich die Erkrankung bei Frauen häufig durch gynäkologische oder unspezifische Blutungssymptome.
Aus Sicht der DGTI braucht es vor allem mehr Bewusstsein für Blutungssymptome bei Frauen. „Frauen mit Blutungsstörungen dürfen nicht länger übersehen werden. Auffällige Blutungssymptome sollten frühzeitig abgeklärt werden“, so Althaus.
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