Ärzteschaft

Frühe Hilfen: Ruf nach flächendeckendem multiprofessionellen Netzwerk

  • Montag, 9. März 2026
/JenkoAtaman, stock.adobe.com
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Münster – Kinderschutz beginnt nicht erst bei dramatischen Übergriffen, schwerer körperlicher Misshandlung oder gar Tötung von Kindern, sondern früher. Darauf hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hingewiesen.

„Häufig kommt es vor diesen Taten bereits zu einer Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen“, betonte ÄKWL-Präsident Hans-Albert Gehle anlässlich des diesjährigen Kinderschutzforums der Kammer in Münster.

Kindesvernachlässigung sei ein andauerndes oder wiederholtes Unterlassen fürsorglichen Handelns, das zu erheblichen Beeinträchtigungen der physischen oder psychischen Entwicklung eines Kindes führe. 

„Vernachlässigung bei Kindern kann ganz unterschiedliche Ausprägungen haben“, so Gehle. Die Kinder kämen zum Beispiel mit unzulänglicher Bekleidung in die Kita oder Schule, Vorsorgeuntersuchungen würden nicht wahrgenommen oder Krankheiten nicht behandelt.

„Vernachlässigung stellt die größte Gefahr und mit Abstand häufigste Gefährdungsform für das Kindeswohl dar. Daher ist es wichtig, Vernachlässigung so früh wie möglich zu erkennen, um entsprechend intervenieren zu können“, betonte der Kammerpräsident.

Die wichtigsten Partner bei dem Erkennen einer solchen Kindesvernachlässigung seien Kinderärztinnen oder Kinderärzte sowie Mitarbeitende von Kindertagesstätten, Schule und Jugendhilfe. 

Gehle sprach sich dafür aus, Strukturen zu schaffen, um Familien in Problemlagen in die entsprechenden, möglichst vor Ort aufsuchenden Hilfsangebote vermitteln zu können. „Kinderschutz muss als Querschnittsaufgabe begriffen werden und ein flächendeckendes multiprofessionelles Netzwerk früher Hilfen entwickelt werden“, forderte der Kammerpräsident.

hil

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