Ärzteschaft

Gastroenterologen wollen Zentrum zur Erforschung gastroentero­logischer Krankheiten

  • Dienstag, 5. Juni 2018
/T. L. Furrer, stockadobecom
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoff­wechsel­krankheiten (DGVS) hat die Einrichtung eines Zentrums zur Erforschung gastroenterologischer Krankheiten gefordert. „Die zentrale Bedeutung gastro­enterologischer Krankheiten für die Gesamtgesundheit unserer Bevölkerung haben bislang Wissenschafts- und Gesundheitspolitiker nicht ausreichend erkannt“, meinte der Sprecher der DGVS, Christian Trautwein, kürzlich anlässlich der Jahrespresse­konferenz der Gesellschaft in Berlin.

Das zeige sich daran, dass es für diese Krankheitsbilder keine Wissenschaftsförderung des Bundes gebe, zum Beispiel in Form eines Deutschen Zentrums der Gesundheits­forschung. Von den acht durch das Bundesforschungsministerium geförderten Forschungs- und Behandlungszentren fokussiere keines auf die Krankheiten des Verdauungstraktes.

Heute würde heute jährlich etwa 2,5 Millionen Menschen mit Krankheiten des Magen-Darm-Traktes, der Leber, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse in Deutschland im Krankenhaus behandelt. Und durch den demografischen Wandel werde die Zahl der Patienten mit Verdauungskrankheiten bis zum Jahr 2032 um 22 Prozent steigen.  

Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena hob die Bedeutung des Mikrobioms hervor, also die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroorganismen. „Das Mikrobiom ist ein Superorgan, das alle Funktionen unseres Körpers dominiert: unsere Stimmung, unser Gedächtnis“, sagte Stallmach. „Es ist ein Organ, mit dem wir sehr sorgfältig umgehen sollten.“ Das Mikrobiom sei ein hochdiverses Ökosystem, sagte er. Und je diverser es sei, desto stabiler sei es auch.

„Ein krankes Mikrobiom tut nicht weh, aber es besteht die große Gefahr, dass sich dadurch ein Kolokarzinom, eine Multiple Sklerose oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt“, so Stallmach. Deshalb sei es sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Mikrobiom schützen könne. „In diesem Zusammenhang brauchen wir eine vernetzte Versorgung“, sagte er. „Denn es macht keinen Sinn, Stuhlproben einzu­sammeln und zu analysieren. Was wir wissen müssen, ist, welche Krankheiten bei einem Patienten auftreten, dessen Mikrobiom wir heute untersucht haben. Dafür brauchen wir große Kohortenstudien. Und die kann man nur in vernetzter Forschung durchführen. Dafür brauchen wir ein Zentrum für Gesundheitsforschung.“

Zudem forderte die DGVS, die Bestimmung der Leberwerte in den Check-Up 35 mit aufzunehmen. „Erhöhte Leberwerte zeigen zum Beispiel ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen an“, sagte Thomas Berg vom Universitätsklinikum Leipzig. „Man sieht, dass der Stoffwechsel nicht in Ordnung ist.“ Das Ziel müsse es dabei sein, einen guten Algorithmus zu finden, der eine Suche nach bestehenden Krankheiten ermög­licht, ohne eine Tirade an weiteren Untersuchungen hervorzurufen. Aber „wenn Leberwerte über zwei Jahre hoch bleiben, sollte der Facharzt ins Spiel kommen“, so Berg.

fos

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