Politik

Generalistische Pflegeausbildung: Altenpflege im Hintertreffen

  • Freitag, 6. Februar 2026
/picture alliance, Waltraud Grubitzsch
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Berlin – Mit knapp etwa 53 Prozent entschied sich im Jahr 2024 die deutliche Mehrheit der Auszubildenden in der Pflege für den Vertiefungsansatz „Allgemeine Akutpflege in stationären Einrichtungen“.

Damit bevorzugten rund 20.400 der etwa 38.500 Absolventinnen und Absolventen der 2020 eingeführten generalistischen Pflegeausbildung im Grundsatz eine Tätigkeit im Krankenhaus. Den Vertiefungsansatz „Altenpflege“ wählten nur 35,6 Prozent der Auszubildenden (13.701).

Dies geht aus einem vom Bundeskabinett beschlossenen Bericht des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) und des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) hervor, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt. Für den Vertiefungseinsatz „Gesundheits- und Kinderkrankenpflege“ entschieden sich demnach nur 3,3 Prozent (1.275).

Insgesamt haben 99 Prozent die Ausbildung mit dem allgemeinen Abschluss Pflegefachfrau, Pflegefachmann oder Pflegefachperson abgeschlossen, mit welchem ein thematisch breiter Zugang zum Arbeitsmarkt möglich ist – nur etwa ein Prozent der Auszubildenden hat sich für die gesonderten Abschlüsse in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder der Altenpflege entschieden.

„Festzustellen ist, dass die Datenlage gegen das Festhalten an den gesonderten Abschlüssen nach dem Pflegeberufegesetz spricht“, heißt es dazu im Bericht. BMBFSFJ und das BMG schlagen vor, zur Vorbereitung der Entscheidung über die Beibehaltung oder Abschaffung der gesonderten Abschlüsse im Rahmen einer entsprechenden fachlichen Anhörung zu diskutieren. Insbesondere für die Altenpflege gelte, dass trotz einer hohen Anzahl von Vertiefungseinsätzen in diesem Bereich der gesonderte Abschluss nicht nachgefragt wird.

Im Bereich der Kinderkrankenpflege sei zu beachten, dass bereits der Anteil der Vertiefungseinsätze im Vergleich zur Gesamtzahl der Auszubildenden gering ist, dann allerdings gut ein Viertel dieser kleineren Gruppe den gesonderten Abschluss wählt. Gleichzeitig werde „insbesondere für die Pädiatrie ein ungedeckter Bedarf an spezialisierten Fachkräften vorgetragen“.

BMBFSFJ und das BMG schlagen vor, zur Vorbereitung der Entscheidung über die Beibehaltung oder Abschaffung der gesonderten Abschlüsse in der Altenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege diese Fragen zum Beispiel im Rahmen einer entsprechenden fachlichen Anhörung zu diskutieren. Dabei gilt es auch zu klären, inwiefern flächendeckende Ausbildungsangebote für einen so kleinen Anteil der Auszubildenden effektiv vorgehalten werden können.

Im Rahmen der 2017 beschlossenen Ausbildungsreform wurde bereits von einigen Expertinnen und Experten vor einem Verlust an Fachwissen in der Kinderkranken- und Altenpflege sowie einer drohende Abwertung des Altenpflegeberufs gewarnt.

Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Bernd Meurer, betonte heute, die Zahlen seien keine Bestätigung des eingeschlagenen Weges, „sondern eine Folge verfehlter Ausbildungspolitik“. Die Idee der generalistischen Ausbildung mit einer Wahl der Fachabschlüsse sei gescheitert.

„Dass sich kaum ein Auszubildender für den Altenpflegeabschluss entscheidet, liegt vor allem daran, dass kaum eine Schule diese Vertiefung überhaupt anbietet. Gleichzeitig haben sich die Hoffnungen auf weiterwachsende Azubizahlen nicht erfüllt. Sie bewegen sich auch Jahre nach der Einführung kaum vom Fleck“, so Meurer.

Man brauche jetzt eine Debatte über eine parallele Wiedereinführung der eigenständigen Ausbildung in der Altenpflege, damit sich Menschen wieder gezielt für die Versorgung Älterer entscheiden können.

aha

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