Politik

Gesetzlich Versicherte warten im Schnitt fünf Wochen auf Facharzttermin

  • Mittwoch, 4. Februar 2026
/DESIGN ARTS, stock.adobe.com
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Berlin – Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Facharzttermin in Deutschland lag im Jahr 2024 bei 36 Tagen. Das geht aus Antworten der Bundesregierung, die dem Deutschen Ärzteblatt vorliegen, auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Die Bundesregierung nimmt darin Bezug auf eine dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) vom Bewertungsausschuss vorgelegte Versichertenbefragung.

Demnach betrug bei Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die mindestens einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, die Wartezeit auf einen Facharzttermin im Jahr 2024 durchschnittlich 42 Tage (2019: 33 Tage). Zählt man allerdings diejenigen Patientinnen und Patienten hinzu, die eine Facharztpraxis noch am gleichen Tag aufsuchen konnten, betrug die durchschnittliche Wartezeit 36 Tage.

Zur Entwicklung der Wartezeiten auf von den Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vermittelten Termine wird in der Antwort auf Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) verwiesen. Im Jahr 2024 wurden von den 1.645.215 Terminbuchungen und berechtigten Vermittlungswünschen bundesweit 1.603.049 Termine fristgerecht vermittelt, was einer Fristeinhaltungsquote von 97 Prozent entspricht.

Zum Hintergrund: Die Terminservicestellen haben Versicherten grundsätzlich innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin zu vermitteln, wobei die Wartezeit auf diesen Behandlungstermin wiederum grundsätzlich vier Wochen nicht überschreiten darf.

„Die Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine sind ein Rohrkrepierer“, sagte dazu Julia-Christina Stange (Linke), Sprecherin ihrer Fraktion für ambulante Versorgung. Sie würden die gesetzlich Versicherten „mehr Geld bei schlechterer Leistung“ kosten.

Laut der Antwort der Bundesregierung gab es 2024 im Vergleich zum Vorjahr allerdings rund vier Millionen (0,6 Prozent) Behandlungsfälle mehr – insgesamt wurden rund 579 Millionen Behandlungsfälle im vertragsärztlichen Bereich gezählt. Dieser Anstieg wurde trotz einer tendenziell sinkenden ärztlichen Arbeitszeit gestemmt.

Die KBV betont hierzu immer wieder nachdrücklich, dass auch wenn immer mehr Medizinerinnen und Mediziner in der ambulanten Versorgung arbeiten würden, die für die Patientenversorgung zur Verfügung stehende Zeit stetig knapper werde. Ursächlich seien Trends wie angestelltes Arbeiten und insbesondere Arbeit in Teilzeit.

„Die Entscheidung, wann ein Patient einen Termin erhält, richtet sich zuallererst nach der medizinischen Notwendigkeit“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, dem Deutschen Ärzteblatt. Die Politik sei gut beraten, keine populistische Debatte anzustoßen nach dem Motto „noch mehr und noch schnellere Termine“.

„Wer wie die Linken dann auch noch die vor einigen Jahren bewusst geschaffenen finanziellen Anreize für die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen wieder ersatzlos streichen will, streut den Menschen bewusst Sand in die Augen“, sagte der KBV-Chef. Aufgrund der im fachärztlichen Bereich geltenden Budgetierung würden aktuell über 40 Millionen geleistete Termine nicht bezahlt.

Gassen betonte, werde der finanzielle Spielraum weiter eingeschränkt, werde es logischerweise nicht mehr, sondern weniger Termine geben. „Eine politisch gewollte und auch grundsätzlich sinnvolle Patientensteuerung wird so unmöglich gemacht. Wir müssen eine ehrliche Diskussion führen. Wer alle Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ungeschmälert und sofort zu jeder Zeit haben will, muss konsequenterweise sagen, dass das mit den vorhandenen Finanzmitteln nicht geht“, so Gassen.

Auch die Bundesregierung stellt in ihrer Antwort klar, dass die pauschale Aussage, dass Arzttermine für gesetzlich Versicherte schwer zu erhalten seien, „zu relativieren und differenziert zu betrachten“ sei.

Von den Akteuren im Gesundheitswesen wird viel von der geplanten Umsetzung eines stärker steuernden Primärversorgungssystems erwartet. Dieses soll unter anderem die Arzt-Patienten-Kontakte reduzieren helfen und so dazu beitragen, die bestehenden Kapazitäten bestmöglich zu nutzen.

Man setze auf konkrete Strukturveränderungen, die das Problem von Grund auf angehen, sagte heute Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). „Ein Kernpunkt der anstehenden Einführung eines Primärversorgungssystems ist eine schnellere fachärztliche Versorgung für gesetzlich Versicherte durch bedarfsgerechte, an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierte Wartezeiten. Konkret: Wenn ein schneller Termin medizinisch notwendig ist, so soll er auch gewährt werden.“

aha/may

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