Facharzttermin binnen vier Wochen: Philippi will Garantie, Umfrage zeigt Wartezeiten

Hannover – Patienten sollen Plänen der Bundesregierung zufolge schneller einen Termin beim Facharzt bekommen, indem sie zuerst zum Hausarzt gehen. Unterstützung dafür kommt vom neuen Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi.
„Das lange Warten auf einen Facharzttermin muss ein Ende haben“, sagte der SPD-Politiker. „Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen“, erklärte der Minister.
„Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patientinnen und Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.“ Ausgenommen wären Gynäkologen und Augenärzte. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD im Bund, den Philippi mit ausgehandelt hat, spricht in dem Zusammenhang von einer Termingarantie.
Eine Umfrage des GKV-Spitzenverbands aus dem Frühjahr 2025, die jetzt veröffentlicht wurde, zeigt, dass 25 Prozent länger als 30 Tage auf einen Termin in der Facharztpraxis warten. Jeder Zweite kann innerhalb von zehn Tagen einen Facharzt sprechen.
30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es „schwierig“ beziehungsweise „sehr schwierig“ war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten; bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent.
In Hausarztpraxen warten nur 25 Prozent der Patienten länger als drei Tage, ein Viertel der Patienten suchen die Hausarztpraxis ohne Termin direkt auf. „Um die Terminvergabe effizienter zu machen, schlagen wir eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal vor“, sagte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorständin beim GKV-Spitzenverband.
Darüber sollten alle Arztpraxen einen festzulegenden Anteil ihrer GKV-Termine zur Verfügung stellen. „So ein Portal bringt mehr Transparenz über Terminoptionen. Wer echte Gleichbehandlung will, sollte zudem dafür sorgen, dass bei der Terminvergabe nicht mehr danach gefragt werden darf, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist“, sagte sie.
Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) sieht die Vorschläge kritisch. Lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten entstünden durch eine Kombination aus Fachärztemangel, insbesondere in ländlichen Gebieten, die Budgetierung des Facharzthonorars durch die Krankenkassen und eine steigende Nachfrage nach Terminen durch eine ältere Bevölkerung sowie höhere Ansprüche der Patienten, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende, Mark Barjenbruch. Zusätzliche Faktoren für knappe Arzttermine seien die ausufernde Bürokratie und der Mangel an Praxisnachfolgen aufgrund zu wenig Medizinstudienplätzen.
Minister Philippi will außerdem die Arztkontakte von chronisch Kranken reduzieren, denen es ansonsten gut geht. „Wenn jemand zum Beispiel Bluthochdruck hat und regelmäßig Tabletten braucht, dann muss er bisher jedes Quartal zum Arzt. Das kostet Zeit. Hausärzte sollten die Tabletten künftig per Jahresverordnung verschreiben können“, sagte er.
Die Menschen in Deutschland gingen im Schnitt drei- bis viermal häufiger zum Arzt als in Schweden oder Dänemark. Das hänge mit der Steuerung der Patientinnen und Patienten zusammen. „Viele Krankheitsbilder, die auch digital per Telemedizin gelöst werden können, finden hier immer noch im persönlichen Kontakt statt“, sagte Philippi.
In Dänemark etwa komme es bei leichten bis mittleren Beschwerden erst zum persönlichen Austausch, wenn die Schmerzen länger anhielten oder die empfohlenen Medikamente nicht zu einer Besserung führten. „Das führt dazu, dass die Praxen und Notfallambulanzen dort nicht so voll sind wie bei uns.“
Philippi richtete auch einen Appell an die Ärzteverbände: Es wäre gut, wenn diese sich trauen würden, die Möglichkeiten der digitalen Anamnese stärker zu nutzen, sagte er. „Es gibt Algorithmen, mit denen Beschwerden angegeben und dann über KI-gesteuerte Anamnesebögen sehr genau herausgefiltert werden können.“ Das zeige, ob ein Besuch in einer Praxis wirklich erforderlich sei. „Das spart den Ärztinnen und Ärzten viel Zeit“, sagte Philippi.
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