Gesundheitskompetenz Erwachsener in Deutschland weiterhin niedrig

Berlin – Eine neue Befragungswelle des Panels „Gesundheit in Deutschland“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) bestätigt, dass die Gesundheitskompetenz vieler Erwachsener in Deutschland niedrig ist. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des RKI im Journal of Health Monitoring (2026; DOI: 10.25646/13820).
Gesundheitskompetenz umfasst nach Aussagen der RKI-Arbeitsgruppe Fähigkeiten, Motivation und Wissen, um Informationen zur Gesundheit in verschiedenen Lebenssituationen zu finden, zu verstehen, zu bewerten und anzuwenden, mit dem Ziel gesundheitsrelevante Entscheidungen zu treffen. Menschen erwerben Gesundheitskompetenz durch alltägliche Erfahrungen und in sozialen Beziehungen, aber auch in Organisationen, wie dem Bildungs- oder Gesundheitswesen.
Das Wissenschaftsteam bewertet Gesundheitskompetenz nicht allein als individuelle Fähigkeit, sondern in Verbindung zu den Anforderungen, die das Gesundheitssystem an die Entscheidungsfähigkeit von Bürgern stellt.
Eine niedrige Gesundheitskompetenz ist dem Beitrag zufolge häufig mit einem schlechteren Gesundheitszustand, einem ungünstigeren Gesundheitsverhalten, mehr Krankenhausaufenthalten und einer stärkeren Nutzung der Notfallversorgung, aber einer selteneren Inanspruchnahme von Früherkennung verbunden.
Die Forschungsgruppe verwendete für ihre Auswertung Daten von 26.817 Personen ab 18 Jahren in Deutschland. Die Messung der allgemeinen Gesundheitskompetenz beruhte auf der validierten deutschen Kurzfassung des Befragungsinstruments „Health Literacy Survey 2019“ (HLS19-Q12).
Er umfasst zwölf Bereiche, mit denen Personen ihre Schwierigkeiten beim Finden, Verstehen, Beurteilen und Anwenden relevanter Gesundheitsinformationen auf einer vierstufigen Skala von sehr einfach bis sehr schwierig einschätzen.
Es zeigte sich: 81,3 Prozent der Frauen und 81,0 Prozent der Männer fielen in die Kategorie „geringe allgemeine Gesundheitskompetenz“. Der Anteil geringer Gesundheitskompetenz nahm bei Frauen im Altersverlauf tendenziell ab, allerdings nur bis zum Alter von 80 Jahren. Bei Männern blieb er konstant niedrig. Die Gruppe mit hoher allgemeiner Bildung weist bei beiden Geschlechtern auch die höchste Gesundheitskompetenz auf.
„Die Ergebnisse der Studie weisen auf einen erheblichen Handlungsbedarf zur Förderung der Gesundheitskompetenz. Dabei sind geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Alter und Bildung zu berücksichtigen“, schreibt die RKI-Arbeitsgruppe.
Das Forschungsteam verweist außerdem auf eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Danach ist es sinnvoll, bei der Gesundheitskompetenz den Fokus weniger auf die Individuen zu legen, sondern auf gesellschaftliche Werte, Organisationen und politische Regelungen, die die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung maßgeblich beeinflussen.
Auch andere Forschungsgruppen kommen zu dem Ergebnis, dass die Gesundheitskompetenz Erwachsener in Deutschland niedrig ist, so eine Arbeitsgruppe um Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld. Allerdings sind ihre Ergebnisse nicht so negativ wie die RKI-Daten.
Laut ersten Ergebnissen der Untersuchung HLS-GER 3, die zu einem späteren Zeitpunkt als vollständige Studie publiziert werden soll, weisen 44 Prozent der Befragten eine hohe Gesundheitskompetenz auf, drei Prozentpunkte mehr als in einer vorherigen Erhebung des Teams vor fünf Jahren.
Es überwiegt allerdings auch in der Bielefelder Studie immer noch der Anteil der Bevölkerung, bei dem die Fähigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen nur als gering eingestuft werden, nämlich rund 56 Prozent.
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