Gesundheitskompetenz schon im Kindergarten vermitteln

Berlin – Jedem zweiten Deutschen fehlt es nach Angaben von Experten schwer, gesundheitsrelevante Informationen zu verstehen. Gemeinsam stellten Fachleute von der Universität Bielefeld, der AOK und der privaten Hochschule Hertie School of Governance deshalb heute in Berlin einen Nationalen Aktionsplan vor. Unter anderem sei es nötig, bereits in Kitas und Schulen gezielt mehr Gesundheitskompetenz zu vermitteln.
Vorgelegt wurden 15 Empfehlungen, die Initiative stand unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Mit dem Aktionsplan könnten die Akteure im Gesundheitswesen und die Behörden „viel bewegen“, erklärte dieser bei der Übergabe der Vorschläge in der Hauptstadt. Mit dem Nationalen Aktionsplan gebe es nun einen „wissenschaftlichen Leitfaden, der zeigt, wie die Gesundheitskompetenz in unserem Land bei der Bildung, Ernährung und Arbeit, aber auch durch einen verständlicheren Austausch zwischen Arzt und Patient gestärkt werden kann“.
Ärzte müssen verständlich aufklären
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, betonte die Relevanz der sprechenden Medizin. „Unsere Aufgabe als Ärzte ist es, den Patienten die Befunde verständlich zu erklären“, sagte er. Der Aktionsplan soll Menschen besser in die Lage versetzen, Informationen mit Bedeutung für ihre eigene Gesundheit zu erfassen. Dazu gehört etwa, dass Ärzte und Pflegepersonal verständlicher kommunizieren. Es geht aber auch um ganz andere Bereiche. So sprechen sich die Autoren für „klare Kennzeichnungspflichten“ für die Hersteller von Lebensmitteln aus, etwa durch Lebensmittelampeln.
„Besonderen Handlungsbedarf gibt es bei Menschen mit geringerem Bildungsniveau, Älteren, chronisch Kranken und Menschen mit Migrationshintergrund“, erklärte Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld, die den Aktionsplan mit initiierte. Bei konsequenter Umsetzung biete ein solches Förderkonzept erhebliche Sparpotenziale. Kritik kam von Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der der Aktionsplan nicht weit genug geht. „Damit die Umsetzung gelingt, brauchen wir eine Systematik und verbindliche Ziele.“ Sie bemängelte zudem, dass der Aktionsplan die Akteure nicht klar benennt, die die Empfehlungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt umsetzen sollten.
Hintergrund des Aktionsplans ist, dass jeder Zweite in Deutschland eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hat, wie Forscher der Universität Bielefeld herausgefunden hatten. Die Fachleute beziffern die Mehrausgaben, die dadurch entstehen, auf bis zu 15 Milliarden Euro im Jahr. Einer weiteren Umfrage des Forschungsinstituts YouGov im Auftrag des AOK-Bundesverbands zufolge sieht sich nur etwa jeder Dritte in der Lage, seriöse und unseriöse Gesundheitsinformationen im Internet zu unterscheiden. Auch über Qualitätssiegel für Gesundheitsinformationen im Internet gibt es demnach wenig Kenntnisse. 84 Prozent der Befragten kannten keines der anerkannten Siegel.
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