Gesundheitspolitiker fordern mehr Anreize für den Hausarztberuf

Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) fordert von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) größere Anstrengungen zur Behebung des Hausärztemangels. „Um junge Menschen für den Hausarztberuf zu begeistern, braucht es gute Arbeitsbedingungen, genauso wie ausreichende Studien- und Weiterbildungsplätze“, sagte er der Welt am Sonntag.
Die KVen müssten die gesetzlichen Möglichkeiten jetzt nutzen und gezielt Anreize für die Niederlassung von Ärzten setzen – etwa durch Zuschüsse für die Praxis-Neueröffnung, Stipendien für angehende Landärzte und die Förderung flexibler Arbeitsmodelle. „Denn viele junge Ärztinnen und Ärzte wollen keine 60-Stunden-Woche mehr, sondern achten auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so der Minister.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach schlägt ein Gesetzespaket vor, um den Hausarztberuf attraktiv zu machen. „Wir müssen die Vergütung so umstellen, dass die Tätigkeit als Hausarzt lukrativer wird“, forderte er. „Außerdem müssen wir die Hausärzte von Bürokratie entlasten und sie von einer überbordenden Arbeitsbelastung verschonen. Auch Teilzeit-Möglichkeiten sollten wir verbessern.“ Dazu seien zahlreiche Gesetzesänderungen erforderlich. „Bis zur Bundestagswahl ist das Reformpaket nicht mehr zu schaffen, die SPD nimmt sich umfangreiche Änderungen für die nächste Legislaturperiode vor.“
Die KVen unternehmen bereits einiges, um die Anreize für eine Niederlassung auf dem Land zu erhöhen. Sie stellen zum Beispiel Fördermittel für Ärzte bereit, die diesen Schritt gehen. Die Ärztin Ilka Priebe hat vor kurzem mit einer Förderung der KV Niedersachsen in Höhe von 50.000 Euro eine Landarztpraxis in Hagen (Landkreis Cuxhaven) übernommen. Am besten könne man junge Kollegen am Ort vom Landleben überzeugen, sagte die 42-Jährige. „Mit Praktika baut man Vorurteile und Ängste ab.“
Auch der Vorstandsvorsitzende der KV Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, hatte kürzlich betont, dass finanzielle Anreize alleine nicht ausreichen. „Wir müssen auch die Ehepartner für die Fläche begeistern“, sagte er. Wichtig seien Partnerschaften mit den unterversorgten Kommunen. In Niedersachsen sind aktuell 325 Hausarztpraxen unbesetzt, außerdem fehlen 76 Fachärzte, die bereit sind, eine Praxis zu übernehmen. Bundesweit findet derzeit nur jeder zweite Hausarzt einen Nachfolger.
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