Vermischtes

GKV-Chef gegen staatlich verordnete Krankenkassenfusionen

  • Donnerstag, 22. Oktober 2026
Oliver Blatt, Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes /picture alliance, Britta Pedersen
Oliver Blatt, Vorsitzender des GKV-Spitzenverbandes /picture alliance, Britta Pedersen
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Berlin – Der Chef des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, lehnt eine politisch erzwungene Verkleinerung der Krankenkassenlandschaft ab.

„Eine zwanghafte Reduzierung auf eine bestimmte Zahl von Krankenkassen“ mache das Gesundheitssystem nicht effizienter, sagte Blatt den Funke Medien. Er kenne keinen Wissenschaftler, der dies fordere. Auch die Finanzkommission Gesundheit habe sich nicht dafür ausgesprochen.

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hält dagegen deutlich weniger Krankenkassen für ausreichend. Im April hatte er gefordert, die damals mehr als 90 Kassen mindestens zu halbieren. Zehn Kassen reichten aus; als Voraussetzung für Fusionen nannte er eine Mindestgröße von 200.000 bis 250.000 Mitgliedern.

Die Finanzkommission Gesundheit werde im Dezember ihren Bericht vorlegen, sagte Linnemann den Funke Medien. Auf dieser Grundlage wolle die Regierung im kommenden Jahr Reformen angehen.

Blatt bezweifelt, dass eine staatliche Vorgabe große Einsparungen bringt. Die Kassen hätten durch den Wettbewerb bereits einen sehr niedrigen Verwaltungskostenanteil von rund vier Prozent. Der größte Teil entfalle auf Personal.

„Wir wollen weiterhin für die Versicherten da sein und ans Telefon gehen und dafür brauchen wir Personal“, sagte er. Auch das Beispiel Österreichs zeige, dass eine staatlich verordnete Konzentration nicht automatisch spare. Zugleich arbeiteten die Kassen selbst an effizienteren Abläufen, auch mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI).

Der Konzentrationsprozess gehe ohnehin weiter, so Blatt. Zu Jahresbeginn werde es voraussichtlich weniger als 90 Krankenkassen geben, vor rund 30 Jahren seien es noch mehr als 1.000 gewesen. Fusionen seien sinnvoll, wenn sie wirtschaftliche Vorteile brächten. „Aber warum sollten es politisch genau 20 Kassen sein – und nicht 50 oder zehn? Das sollte der Wettbewerb regeln“, sagte Blatt.

Unterstützung für Zusammenlegungen kommt vom SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. Historisch gewachsene Strukturen müssten kritisch hinterfragt und effizienter organisiert werden, sagte er den Funke Medien. Gebündelte Verwaltungsaufgaben, weniger Doppelstrukturen und schlankere Prozesse könnten Einsparungen bringen.

kna

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