Globaler Fonds plant breitere Versorgung mit lang wirksamer HIV-Präexpositionsprophylaxe

Genf – Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria will die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) mit dem Wirkstoff Lenacapavir in den kommenden Monaten breiter als bisher zugänglich machen. Nachdem das lang wirksame Medikament bis Juni 2026 zunächst in neun afrikanischen Ländern eingeführt worden sei, soll dies bis Ende des Jahres in 24 Ländern der Fall sein, heißt es im heute veröffentlichten Ergebnisbericht des Globalen Fonds.
Demnach erhielten bisher knapp 100.000 Menschen diese Form der PrEP über vom Fonds unterstützte Programme. Wie stark diese Zahl im Zuge der Ausweitung bis zum Jahresende noch wachsen soll, wird im Bericht nicht erwähnt. Allerdings heißt es, dass bis Ende 2026 auch mit dem Markteintritt eines Generikums gerechnet werde, das 2027 größere Verbreitung finden und den Zugang für viele Gruppen verbessern dürfte.
In Kombination mit anderen Präventionsmöglichkeiten, die derzeit noch entwickelt werden, schreibt der Globale Fonds Lenacapavir das Potenzial zu, die Zahl der HIV-Neuinfektionen drastisch zu verringern, wie es im Bericht heißt. Lieferungen des Medikamentes an die Länder Eswatini und Sambia Ende vergangenen Jahres markierten dem Bericht zufolge das erste Mal, dass eine wichtige Innovation zur HIV-Prävention in Afrika noch im gleichen Jahr wie in reicheren Ländern ankam – und nicht erst sehr viel später.
Der Wirkstoff wird seit dem vergangenen Sommer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als weitere Option zur PrEP empfohlen. Das Mittel muss zweimal pro Jahr per Injektion verabreicht werden. Dadurch kommt ihm etwa im Vergleich zur PrEP in Form täglicher Tabletten eine besondere Bedeutung zu, insbesondere in Krisengebieten.
Allerdings hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) noch in diesem Frühjahr kritisiert, dass der Zugang zu der neuen Option vom Hersteller zu stark begrenzt werde und auch die Kontingente für den Globalen Fonds unzureichend seien. Wie begrenzt die Lenacapavir-Nutzung noch ist, verdeutlicht die Gesamtzahl der Menschen, die über den Globalen Fonds 2025 eine PrEP begonnen haben: Diese wird mit 1,1 Millionen beziffert. Noch weitaus mehr Menschen – 26,9 Millionen – erhielten 2025 eine antiretrovirale HIV-Therapie.
Auch im Kampf gegen Tuberkulose (TB) hat aus Sicht des Globalen Fonds eine Innovation eine wichtige Rolle gespielt: So sei der Zugang zu KI-gestütztem Röntgenscreening auf mehr als 20 Länder ausgeweitet worden. Zudem würden schnellere, flexiblere Testmöglichkeiten in 13 besonders belasteten Ländern vorbereitet. Im Zusammenspiel böten diese Neuerungen im Bereich der Früherkennung und Diagnostik die Möglichkeit, die Kosten für die Erkennung neuer TB-Fälle deutlich zu senken, hieß es.
Mit der Einführung von effizienteren Ansätzen wie diesen reagiert der Globale Fonds auch auf die Finanzierungskrise, die die Entwicklungshilfe und insbesondere Gesundheitsprojekte stark betrifft. Das Jahr 2025 habe vor Augen geführt, dass der Fortschritt nicht garantiert ist, wird im Ergebnisbericht betont. Nicht nur die USA, auch viele weitere Länder kürzten entsprechende Mittel.
So seien beispielsweise HIV-Präventionsleistungen in vielen Ländern zurückgefahren oder ausgesetzt worden, bei TB-Programmen habe es Einschnitte bei der Fallfindung, Diagnose und Behandlung gegeben, und bei Malaria-Maßnahmen sei es zu Engpässen bei wichtigen Medikamenten und Verzögerungen bei kritischen Präventionskampagnen gekommen. Trotzdem zieht der Globale Fonds ein überwiegend positives Fazit.
Man habe mit den Ländern gemeinsam kritische Lücken identifiziert, die Mittelvergabe neu priorisiert und sich letztlich als resilient und anpassungsfähig erwiesen. „Bei allen drei Krankheiten arbeiteten wir mit den Ländern zusammen, um die verfügbaren Ressourcen auf die wichtigsten Versorgungsgüter und zentralen Gesundheitsdienste zu konzentrieren und so dazu beizutragen, die wichtigsten Maßnahmen aufrechtzuerhalten.“
Der Bericht unterstreicht, dass die abrupten Einschnitte bei den Hilfsprogrammen in vielen Ländern auch als Weckruf verstanden worden seien. Und zugleich als Anreiz, die eigenen Gesundheitssysteme unabhängiger von externer Unterstützung zu machen.
Im Ergebnisbericht wird angesichts der staatlichen Mittelkürzungen die bedeutende Rolle von Spendenzusagen aus dem Privatsektor hervorgehoben: Diese hätten bei der achten Wiederauffüllungsrunde einen Rekordwert von 1,34 Milliarden US-Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) erreicht. Insgesamt habe man Zusagen in Höhe von 12,68 Milliarden Dollar erhalten.
Im Haushaltsentwurf für 2027 ist ein deutscher Beitrag in Höhe von 286 Millionen Euro an den Globalen Fonds vorgesehen, im laufenden Jahr sind es 288 Millionen Euro. Der Beitrag ist damit im Vergleich zum Spitzenwert aus der COVID-19-Pandemie (2020: 500 Millionen) deutlich zurückgefahren worden, liegt aber immer noch auf einem höheren Niveau als vor zehn Jahren (2015: 210 Millionen).
Seit der Gründung des Fonds 2002 hat Deutschland nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) mehr als 5,68 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Eine Analyse hatte im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Investitionen etwa über Aufträge für deutsche Hersteller auch teils wieder der hiesigen Wirtschaft zugutekommen.
Der Globale Fonds beschreibt sich selbst als weltweit größter multilateraler Geldgeber für Gesundheitsprogramme in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Seit 2002 seien 73 Milliarden US-Dollar an diese Länder ausgezahlt worden. Nach Schätzungen im Ergebnisbericht wurden durch den Fonds und seine Partnerorganisationen insgesamt 72 Millionen Menschenleben gerettet.
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