Gröhe rechnet mit Pflege-Ausbildungsreform vor der Wahl
Berlin – Im Streit um die Reform der Pflegeausbildung hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zuversichtlich gezeigt, dass noch vor der Bundestagswahl ein Kompromiss erzielt werden kann. „Ich bin überzeugt, wir schaffen das“, sagte Gröhe heute im ARD-Morgenmagazin. Es gehe um eine „sehr umfassende Ausbildungsveränderung“.
Gröhe strebt eine generalistische Ausbildung für die verschiedenen Bereiche der Pflege an. Mit der geplanten Reform soll unter anderem der Wechsel zwischen den verschiedenen Pflegebereichen einfacher werden. Derzeit gibt es drei separate Berufsausbildungen im Pflegebereich: Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger. Geplant ist eine einheitliche dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau.
Gegen die im Januar 2016 im Kabinett beschlossene und im März 2016 erstmals im Bundestag beratene Reform gibt es auch Widerstand aus der CDU/CSU-Fraktion. Unionspolitiker warnen insbesondere davor, dass Hauptschüler von den gestiegenen Anforderungen überfordert würden und als Altenpflegekräfte wegfielen. Gröhe betonte, es sollten auch Hauptschüler von der Fachausbildung profitieren können. Es gehe nicht nur um gut qualifizierte Pflege, sondern auch darum, „möglichst viele Menschen mitzunehmen, die diese Tätigkeit ausüben wollen“.
Widerstand gegen die Reform gibt es allerdings nicht nur vonseiten der Unionsfraktion, sondern auch von Arbeitgebern und den Gewerkschaften. Vor allem die Altenpflegeverbände lehnen bisher eine Vereinheitlichung der Ausbildung ab und warnen vor einer faktischen „Abschaffung“ des Altenpflegeberufs. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor einer „Schmalspurausbildung“. Die Kinder- und Jugendärzte befürchten, dass sich weniger Menschen für die Kinderkrankenpflege interessieren werden und dass die Ausbildungsqualität leidet.
Der Minister äußerte sich gleichwohl „zuversichtlich, dass wir einen Kompromiss finden können, der die Generalistik zum Regelfall macht“. Wichtig sei zugleich nicht nur die Frage der ordentlichen Bezahlung im Pflegebereich. So gibt es Gröhe zufolge eine „dramatische Spreizung“ von bis zu 1.000 Euro monatlich in den verschiedenen Regionen. Auch die Personalsituation müsse sich verbessern und der Personalschlüssel weiterentwickelt werden. Der Start der neuen, generalisierten Ausbildung war bislang für Anfang 2018 geplant.
Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, äußerte Unverständnis über die die politische Hängepartie. Er forderte ein Ende der „unsäglichen Diskussion“. „Ein Jahrzehnt lang haben wir für eine qualitative Neuordnung der Pflegeausbildung gerungen, unzählige Modellvorhaben haben klare Ergebnisse gebracht“, sagte er auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin. Wer Pflege ernst nehme, müsse jetzt handeln und das Pflegeberufsgesetz im Bundestag verabschieden.
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