Politik

Gröhe rechnet mit Pflege-Ausbildungs­reform vor der Wahl

  • Donnerstag, 23. März 2017

Berlin – Im Streit um die Reform der Pflegeausbildung hat sich Bundesgesundheits­minis­ter Hermann Gröhe (CDU) zuversichtlich gezeigt, dass noch vor der Bundestags­wahl ein Kompromiss erzielt werden kann. „Ich bin überzeugt, wir schaffen das“, sagte Gröhe heu­te im ARD-Morgenmagazin. Es gehe um eine „sehr umfassende Aus­bil­dungs­verän­de­rung“.

Gröhe strebt eine generalistische Ausbildung für die verschiedenen Bereiche der Pflege an. Mit der geplanten Reform soll unter anderem der Wechsel zwischen den verschiede­nen Pflegebereichen einfacher werden. Derzeit gibt es drei separate Berufsausbildun­gen im Pflegebereich: Altenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Gesund­heits- und Kinderkrankenpfleger. Geplant ist eine einheitliche dreijährige Ausbildung zum Pfle­gefachmann oder zur Pflegefachfrau.

Gegen die im Januar 2016 im Kabinett beschlossene und im März 2016 erstmals im Bun­destag beratene Reform gibt es auch Widerstand aus der CDU/CSU-Fraktion. Unionspo­li­tiker warnen insbesondere davor, dass Hauptschüler von den gestiegenen Anforderun­gen überfordert würden und als Altenpflegekräfte wegfielen. Gröhe betonte, es sollten auch Hauptschüler von der Fachausbildung profitieren können. Es gehe nicht nur um gut qualifizierte Pflege, sondern auch darum, „möglichst viele Menschen mitzu­nehmen, die diese Tätigkeit ausüben wollen“.

Widerstand gegen die Reform gibt es allerdings nicht nur vonseiten der Unionsfraktion, sondern auch von Arbeitgebern und den Gewerkschaften. Vor allem die Altenpflegever­bän­de lehnen bisher eine Vereinheitlichung der Ausbildung ab und warnen vor einer fak­tischen „Abschaffung“ des Altenpflegeberufs. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warnt vor einer „Schmalspurausbildung“. Die Kinder- und Jugendärzte befürch­ten, dass sich weniger Menschen für die Kinderkrankenpflege interessieren werden und dass die Ausbildungsqualität leidet.

Der Minister äußerte sich gleichwohl „zuversichtlich, dass wir einen Kompromiss finden können, der die Generalistik zum Regelfall macht“. Wichtig sei zugleich nicht nur die Fra­ge der ordentlichen Bezahlung im Pflegebereich. So gibt es Gröhe zufolge eine „dramati­sche Spreizung“ von bis zu 1.000 Euro monatlich in den verschiedenen Regio­nen. Auch die Personalsituation müsse sich verbessern und der Personalschlüssel wei­ter­ent­wickelt werden. Der Start der neuen, generalisierten Ausbildung war bislang für Anfang 2018 geplant.

Der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, äußerte Unverständ­nis über die die politische Hängepartie. Er forderte ein Ende der „unsäglichen Diskussi­on“. „Ein Jahrzehnt lang haben wir für eine qualitative Neuordnung der Pflegeausbildung gerungen, unzählige Modellvorhaben haben klare Ergebnisse gebracht“, sagte er auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin. Wer Pflege ernst nehme, müsse jetzt handeln und das Pflegeberufsgesetz im Bundestag verabschieden.

dpa/afp

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