Hantavirus-Ausbruch: Deutsche Kontaktperson weiter in Klinik

Düsseldorf – Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ mit drei Todesfällen beschäftigt Gesundheitsbehörden und Mediziner in mehreren Ländern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen fünf Hantavirus-Infektionen nachgewiesen, hinzu kommen Verdachtsfälle.
In Deutschland wird an der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crewmitgliedern ausgeflogen worden war. Vorerst gab es keine Entwarnung: „Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine Viren nachgewiesen“, sagte der Bereichsleiter Tropenmedizin, Oberarzt Torsten Feldt.
Jederzeit in der Inkubationszeit könnten Symptome auftreten mit einer hohen Virusausscheidung und dann einer Infektionsgefahr. „Nach acht Wochen könnte man Entwarnung geben. Das sind so Einzelfälle, die wirklich so eine lange Inkubationszeit hatten. Die meisten Fälle treten innerhalb von zwei bis vier Wochen auf“, führte er weiter aus. Der klinische Zustand sei weiter gut und stabil. Die Schutzmaßnahmen würden aber aufrechterhalten.
Bei dem Ausbruch starben bislang drei Menschen, ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums soll die 65-jährige Deutsche, die nun in der Uniklinik ist, in engem Kontakt mit der deutschen Frau gestanden haben, die an Bord gestorben war.
Proben der Kontaktperson sind inzwischen zur Testung auf das Andesvirus (ANDV) im Konsiliarlabor für Hantaviren eingetroffen, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) heute Nachmittag bekanntgab. Das ANDV ist eine südamerikanische Virusspezies, die bei mehreren Passagieren nachgewiesen wurde und die sich in vielen Punkten von den hiesigen Hantaviren unterscheidet (das Deutsche Ärzteblatt berichtete). So ist beim ANDV zum Beispiel laut RKI „in seltenen Fällen und bei engem Kontakt eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich“.
Heute ist die erste vollständige Virussequenz eines Infizierten von Bord des Schiffes auf der Plattform Virological.org veröffentlicht worden. Der deutsche Virologe Jonas Schmidt-Chanasit (Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin) äußerte sich zunächst vorsichtig: Nach seiner Einschätzung ergäben sich daraus „bisher keine belastbaren Hinweise auf eine veränderte Übertragbarkeit oder Infektiosität“.
Er erläuterte weiter, dass aber für belastbare Aussagen über mögliche relevante Mutationen „idealerweise zusätzliche Sequenzen, höhere Abdeckung und Rohdaten beziehungsweise bestätigende Analysen notwendig“ wären. Von der WHO gab es dazu heute am frühen Abend zunächst noch keine Einschätzung.
Unterdessen teilten die niederländischen Gesundheitsbehörden mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen älteren Frau hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das bestätigte auch die WHO. Die Flugbegleiterin hatte sich in Johannesburg in Südafrika um die niederländische Frau gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der „Hondius“ mit einem KLM-Flug zurück nach Amsterdam fliegen wollte.
Die Crew hatte sie aber wegen ihres Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus. Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus gestorben. Die Stewardess vorgestern mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden.
Der Mensch ist bei anderen Hantaviren ein Fehlwirt
Martin Eiden vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erläuterte im „Morgenecho“ auf WDR5, beim Hantavirus sei ausschließlich im Fall des ANDV eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien weltweit bisher nur wenige Fälle bekanntgeworden.
Das Risiko, einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr gering einzuschätzen, sagte Eiden. Diese seien bislang nur selten – so etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien – beobachtet worden. Dort gibt es das ANDV. Bei anderen Hantaviren sei der Mensch ein „Fehlwirt“, erläuterte der Fachmann. Der Mensch könne sich mit dem Virus infizieren, es aber nicht weitergeben.
Auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ sind mehrere Infektionen mit dem Hantavirus bestätigt, nach WHO-Einschätzung handelt es sich um das ANDV. Der WHO zufolge wurde es bislang ausschließlich in den argentinischen Provinzen Chubut, Río Negro und Neuquén sowie im Süden von Chile registriert.
An Bord der „Hondius“ zeigt nach Angaben der WHO derzeit niemand Symptome einer Infektion. Das Schiff hat von den kapverdischen Inseln kommend Kurs auf Teneriffa genommen, dort sollen alle knapp 150 Menschen noch an Bord untersucht und getestet werden.
Nach RKI-Angaben wird die Rückführung der deutschen Passagiere von der Bundesregierung koordiniert. „Für die weitere Betreuung sind die Gesundheitsämter der jeweiligen Wohnorte zuständig.“ Das RKI stellt demnach eine Handreichung zum Umgang mit den Betroffenen für den Öffentlichen Gesundheitsdienst zur Verfügung, Gesundheitsämter könnten diese unter Beachtung der örtlichen Gegebenheiten und Umstände benutzen.
29 Passagiere hatten das Kreuzfahrtschiff bereits am 24. April auf der britischen Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans verlassen. Das war den Angaben zufolge gut zehn Tage vor der Bestätigung des ersten Hantavirusfalles.
Forscher in Argentinien sollen nun die Frage nach dem Ursprung der Infektionen klären. In Ushuaia ganz im Süden des Landes, wo die „Hondius“ am 1. April in See gestochen war, sollen Nagetiere eingefangen und auf das Virus untersucht werden, wie die Regierung in Buenos Aires mitteilte.
Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs gewesen.
In Deutschland kursiert der Puumala-Typ
In Deutschland kursiert Experte Eiden vom FLI zufolge vor allem der Puumala-Virustyp aus der Familie der Hantaviren. Es werde ausschließlich über Ausscheidungen von infizierten Rötelmäusen auf den Menschen übertragen.
Treffe man auf Ausscheidungsstaub – etwa in Garagen, Kellern oder Dachböden – solle man diese daher nur mit angelegter Atemmaske wegfegen, Kot immer mit Handschuhen wegschaffen, empfahl er. In den meisten Fällen verliefen Infektionen ohne Symptome, die Betroffenen bemerkten sie nicht einmal, berichtete er. Es sei hierzulande nur in wenigen Fällen zu schweren Erkrankungen gekommen, in der Regel bei vorerkrankten Patienten.
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