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Hantavirus: Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht

  • Montag, 11. Mai 2026
/picture alliance, Christoph Reichwein
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Frankfurt am Main – Die vier in die Niederlande ausgeflogenen deutschen Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs wurden gestern am späten Abend von Eindhoven aus nach Deutschland gebracht. Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt bestätigte heute die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports.

Dort sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht, beobachtet und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.

Gestern Nachmittag waren die Betroffenen per Evakuierungsflug von der Kanareninsel Teneriffa, wo die „Hondius“ nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte, nach Eindhoven in den Niederlanden gebracht worden. Neben Niederländern und Deutschen befanden sich unter anderem auch Belgier und Griechen an Bord. Alle waren ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte.

Vom militärischen Teil des Flughafens Eindhoven aus ging es für die Passagiere in einem Fahrzeugkonvoi weiter nach Frankfurt am Main. Der Transport sollte von Einsatzkräften der Feuerwehren Essen und Frankfurt organisiert und begleitet werden.

Einer der deutschen Passagiere soll in die Berliner Charité gebracht werden. Nach Angaben der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit zeigt die Person bisher keine Symptome und kommt „aus der Region Berlin-Brandenburg“. Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson soll in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.

RKI-Chef: Keine Gefährdung oder Pandemiegefahr

Der Chef des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) sieht keine Gefahr für die Bevölkerung. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade gestern Abend im ZDF-heute journal. „Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemiegefahr.“

Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: „Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen.

„Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.“ Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend Fällen seit der Entdeckung 1995. „Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen.“

Diese Einschätzung zur Gefährdung teilt auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC: Selbst wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch Passagiere käme, die vom Schiff evakuiert wurden, sei das Virus nicht leicht weiter übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff sei „sehr gering“.

„Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Überwachung dürfte das Geschehen vergleichsweise gut kontrollierbar machen“, sagte auch Mikrobiologe Roman Wölfel von der Universität der Bundeswehr in München.

Evakuierung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen

Auf der „Hondius“ waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) war darunter eine mittlere einstellige Zahl von deutschen Staatsangehörigen. Laut dem Schiffsbetreiber Oceanwide waren sechs Deutsche an Bord.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die Menschen von der im Hafen von Granadilla vor Anker liegenden „Hondius“ zunächst in kleinen Gruppen an Land gebracht und anschließend mit Bussen zum nahegelegenen Flughafen Tenerife Sur gefahren.

Nach jüngsten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen starben: ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine deutsche Frau. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt haben könnte.

Die „Hondius“ soll nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs wird in den Niederlanden erfolgen. Bis nach Rotterdam wird die „Hondius“ rund fünf Tage unterwegs sein.

dpa

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