Hartmannbund mit klarem Plädoyer für Stärkung der Prävention

Berlin – Ein Update der Präventionspolitik fordert der Hartmannbund. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Verbandes plädierten die Delegierten für „klare Strukturen, verbindliche Ziele und eine langfristige Strategie“.
Der – auf der Versammlung mit großer Mehrheit im Amt bestätigte – Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, hatte zuvor die gesamtpolitische Ausgangssituation mit Blick auf das Gesundheitswesen skizziert. Durch Rezession, marode Infrastruktur, notwendige Investitionen in die Landesverteidigung, Fachkräftemangel und Nachteile im globalen Wettbewerb gerieten auch die sozialen Sicherungssysteme zunehmend unter Druck.
Mehr Geld ins System werde es nicht geben, so Reinhardt. Es gelte, „mit dem was man hat“ die gesundheitliche Versorgung vernünftig zu gestalten. Der Hartmannbund-Vorsitzende erneuerte seinen Appell, Prävention ein höheres Gewicht zu verleihen.
Die Spätfolgen einer ungesunden Lebensführung einzudämmen, sei schon allein aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll, sagte er. „Das ist hoch überfällig. Wir brauchen Gesundheitskompetenz schon im Kindergarten und in der Schule.“ Zudem müsse die Politik „mehr Mut“ mit Blick auf Abgaben auf Alkohol, Tabak und auch Zucker entwickeln.
In einem entsprechenden Beschluss plädierte der Hartmannbund für nationale Gesundheitsziele mit konkreten Präventionsmaßnahmen. Dies solle eine stufenweise Reduktion der Raucherquote durch Steuererhöhungen und Werbeverbote, eine Zuckerabgabe nach britischem Vorbild, steuerliche Anreize für den Konsum von Obst und Gemüse sowie verbindliche Ernährungsstandards in Kitas, Schulen und Kantinen umfassen.
Hinsichtlich der Einsetzung der Finanzkommission Gesundheit forderten die Delegierten ein schlüssiges Gesamtkonzept, das sowohl die begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen als auch die Qualität der Versorgung in den Blick nimmt. Gewarnt wurde vor einer isolierten Betrachtung einzelner Maßnahmen.
Eine finanzielle Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dürfe nicht nur die Krankenkassenbeiträge der Versicherten in den Blick nehmen, sondern müsse neben dringend notwendigen strukturellen auch zielgerichtete, sozial verträgliche, finanzielle Steuerungselemente in Betracht ziehen, die Patienten zu mehr Eigenverantwortung anhalten. Zudem seien Aufgaben der staatlichen Daseinsfürsorge, die nichts mit Krankenversorgung im eigentlichen Sinn zu tun haben, „konsequent aus dem Steueraufkommen“ zu finanzieren, so die Delegierten.
Grundsätzlich gehe es laut Reinhardt bei den anstehenden Reformprojekten – von Krankenhausreform über das Primärversorgungsystem bis hin zur Notfallreform – vor allem um den effizienteren Einsatz vorhandener Ressourcen. Zu größeren finanziellen Einsparungen würden die Reformen, zumindest kurz- bis mittelfristig, allerdings nicht führen. Gleichwohl sei insbesondere die Krankenhausreform vom imminenter Bedeutung, da sich hier eine drastische Kostenentwicklung bei gleichzeitig eher mittelmäßigem Outcome zeige.
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