Ärzteschaft

Hartmannbund warnt vor Zerschlagung bewährter ambulanter Strukturen

  • Freitag, 27. August 2021
Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes und Präsident der Bundesärztekammer. /dpa
Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes und Präsident der Bundesärztekammer. /dpa

Berlin – Vor einer Zerschlagung bewährter ambulanter Strukturen warnte heute der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt. Die Vorschläge des kürzlich vorgelegten Positionspapiers von AOK und Krankenhausträgern würden „zwangsläufig“ genau darauf hinauslaufen.

„Gerade in der aktuellen COVID-19 Krise hat sich gezeigt, wie wichtig und unverzichtbar die ambulanten Versorgungsstrukturen in den niedergelassenen Facharztpraxen für den Gesundheitsstandort Deutsch­land sind“, betonte Reinhardt, der auch Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) ist.

Das AOK-Papier verfolge „durchsichtige Partikularinteressen ausschließlich im Sinne der Einsparungs­absichten der Kostenträger“. Die Kopplung von „Rationierungsvorhaben der Krankenkassen“ im ambu­lanten Bereich und einer Ausweitung der ambulanten Leistungsanteile der Krankenhäuser wirke sich zu Lasten der ambulanten Versorgung durch selbständige Ärzte aus.

Dies bedinge, so Reinhardt, absehbar auch eine deutliche Verschlechterung der Versorgung der ambulant zu behandelnden Patienten. Denn ohne „erhebliche personelle Aufstockung“, die nicht in Sicht sei, könnten die Ärztinnen und Ärzte in der stationären Versorgung keine zusätzlichen Aufgaben in größerem Umfang übernehmen. Schon jetzt würden die in den Kliniken tätigen Kollegen am Limit arbeiten – und dies nicht nur aufgrund der COVID-19-Pandemie.

Eine wirkliche sektorenübergreifende Versorgung sei eine langjährige Forderung des Hartmannbundes. Reinhardt verwies darauf, dass ambulante Operationen an Kliniken, auch durch niedergelassene Fachärz­te, seien seit Jahren Standard seien und kontinuierlich ausgeweitet würden. Bereits heute fänden Leis­tun­gen ermächtigter Ärzte Berücksichtigung in der (ambulanten) Bedarfsplanung.

Eine Umsetzung der Vorschläge des Positionspapiers ließe eine analoge Entwicklung wie bei der Ambu­lanten Spezialärztlichen Versorgung (ASV) befürchten, so die Mahnung Reinhardts. Die bürokratischen Teilnahmebedingungen für Arztpraxen könnten ihnen den Zugang massiv erschweren beziehungsweise quasi verwehren.

Bezüglich einer grundlegenden Reform der bestehenden Gesundheitsstrukturen – diese sieht Reinhardt als eine der zentralen Aufgaben der kommenden Bundesregierung an – biete der Hartmannbund wie bisher an, sich jederzeit konstruktiv mit seinem Know-how einzubringen.

aha

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