Ärzteschaft

Hausärzteverband will zur Bundestagswahl die Hausarztzentrierte Versorgung bewerben

  • Donnerstag, 22. September 2016
Uploaded: 22.09.2016 17:00:52 by mis
Ulrich Weigeldt /Lopata

Potsdam – Der Deutsche Hausärzteverband will im Vorfeld der kommenden Bundes­tags­wahl die Hausarztzentrierte Versorgung beim Gesetzgeber stärker bewerben. Dabei will sich der Verband dafür einsetzen, dass Versicherte einen Bonus bekommen, wenn sie sich in einen Vertrag einschreiben lassen.  „Ich bin überzeugt, dass wir  mit der Hausarztzentrierte Versorgung ein gutes Angebot haben“, sagte Ulrich Weigeldt, Verbandsvorsitzender vor den Delegierten des diesjährigen Hauärztetages in Potsdam.

„Und unser Angebot  würde noch verbessert werden, wenn die Versicherten, die die HZV und damit eine qualitative bessere und wirtschaftlich vernünftigen Alternative wählen, einen Bonus erhalten würden“, so Weigelt weiter. In Baden-Württemberg, wo der HZV-Vertrag nach acht Jahren sehr positiv evaluiert wurde, bekommen einge­schriebene AOK-Versicherte bereits eine Befreiung von der Medikamentenzuzahlung. „Die Zuzahlungsbefreiung hat den Charme, dass sie zielgenau die chronisch Kranken von Belastungen frei hält“, erklärte Weigelt. Insgesamt sind bundesweit vier Millionen Versicherte und 16.000 Hausärzte in die HZV-Verträge eingeschrieben.

Hausärztliche Interessen stärken
Der Verbandsvorsitzende appellierte an die Mitglieder, ihre Interessen auch in den Vertreter- und Delegiertenversammlungen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Landesärztekammern zu vertreten. Dies gelte vor allem für die Beschlüsse, die auf den Verbandstagen verabschiedet werden, so Weigelt. Über diese strukturelle Frage diskutierten die Delegierten intensiv und zeitweise auch emotional. 

„Es wird erst Frieden in die Versorgung in Deutschland geben, wenn die hausärztlichen Vertreter in den KVen und in der KBV sich ihren Rat auch bei der Delegierten­versammlung des Hausärzteverbandes einholen“, erklärte Klaus-Dieter Kossow, Ehrenvorsitzender des Hausärzteverbandes aus Niedersachsen. „Wir müssen daran gemeinsam arbeiten, wieder hausärztliche Mehrheiten in den KVen bekommen“, appellierte auch KBV-Vize Regina Feldmann vor den Delegierten.

Verhandlungsergebnis zum Medikationplan in der Kritik
In der hitzigen Diskussion wurde auch der Unmut über die am Mittwoch verhandelten Vergütung für den Medikationsplan deutlich. Unverständnis zeigten die Delegierten vor allem über die Höhe der Vergütung und die mögliche künftige Haftung. Nach vorläufigen Berechnungen bekommt ein Hausarzt vier Euro pro erstelltem Medikationsplan. Für eine Aktualisierung innerhalb von 12 Monaten wird noch einmal vier Euro gezahlt.

„Die Gelder sind extrabudgetär, es gibt keinen Deckel, falls mehr Gelder benötigt werden“, erklärte KBV-Vize Regina Feldmann. Die KBV selbst hatte etwa 17 Euro errechnet, die der Aufwand für den Medikationsplan für die Arztpraxen bedeuten würde. In den Verhandlungen ist man von etwa 20 Millionen Patienten ausgegangen, die einen Plan für die Einnahme von mehr als drei Medikamenten benötigt.

Bei den Verhandlungen am Mittwoch wurde ein Kompromiss von 163 Millionen Euro mit den Krankenkassen erzielt. Den Ärger der Hausärzte versuchte auch Burkard John, KV-Chef in Sachsen-Anhalt, zu entkräften: „Der Medikationsplan ist keine Idee der KBV, das wollte der Gesetzgeber.“ Außerdem sei die Erstellung des Medikationsplanes bereits in einigen EBM-Ziffern bei der Chronikerpauschale integriert. „Daher waren wir in einer schwierigen Position gegenüber dem GKV-Spitzenverband“, so John. 

Der Hausärzteverband wird am zweiten Tag ihrer Delegiertenversammlung weiter über den Medikationsplan debattieren. Außerdem steht ein Sachstandsbericht zur HzV, zur Gebührenordnung für Ärzte und mehrere Anträge zur Debatte.

bee

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