Hepatitis-C-Medikamente: Pharmaverband kritisiert Prognosen zum Kostenanstieg
Berlin – Die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Birgit Fischer, hat die Ausgabenprognosen kritisiert, die vor der Einführung der neuen Hepatitis-C-Medikamente im Jahr 2014 veröffentlicht worden waren.
Damals wurde der Wirkstoff Sofosbuvir auf den Markt gebracht, der die Behandlung von Hepatitis-C-Infektionen revolutionierte, für den jedoch auch Therapiekosten von 60.000 bis 120.000 Euro pro Patient anfallen. Zuvor habe es Prognosen gegeben, dass der neue Wirkstoff das deutsche Gesundheitswesen zwischen fünf und 24 Milliarden Euro kosten werde, sagte Fischer heute vor Journalisten in Berlin.
Tatsächlich hätten die Ausgaben schließlich jedoch viel niedriger gelegen, so Bertram Häussler, Leiter des IGES-Instituts, das jährlich im Auftrag des vfa den Arzneimittel-Atlas herausgibt. Sie hätten im Jahr 2015 bei knapp 1,2 Milliarden Euro gelegen und seien bereits im Jahr 2016 auf 717 Millionen Euro gesunken.
Behandlungskapazitäten beschränkt
Dafür gebe es zwei Gründe: Zum einen habe bereits im Jahr 2014 ein Preiswettbewerb begonnen, da weitere Medikamente zur Behandlung von Hepatitis C auf den Markt gekommen seien. Bis heute gebe es zehn Wirkstoffe und Präparate, für die die Hersteller im Rahmen des AMNOG-Verfahrens mit dem GKV-Spitzenverband Preise ausgehandelt hätten. Und zum anderen könnten in Deutschland nur etwa 10.000 Patienten pro Jahr gegen Hepatitis C behandelt werden. Denn diese Behandlung finde in speziellen Zentren statt, die nicht mehr Patienten aufnehmen könnten.
Fischer kritisierte, dass die Krankenkassen mit ihren Ausgabenprognosen bewusst Horrorszenarien entworfen hätten, um die Gesundheitspolitiker zu beeinflussen. „Es gab immer ein politisches Bekenntnis zum medizinischen Fortschritt in Deutschland“, sagte Fischer. Eine Gefahr solcher Prognosen sei es, dass das Klima im Land kippe und medizinischer Fortschritt erschwert werde. „Etwas Ähnliches erleben wir derzeit in der Onkologie“, meinte Fischer. So gebe es Prognosen über einen Kostenanstieg, die nicht der Realität entsprächen.
Die Preise für neue Onkologika steigen seit Jahren an. Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wolf-Dieter Ludwig, kritisiert daran, dass sich diese Preise nicht an dem Zusatznutzen der Medikamente orientieren. Stattdessen orientierten sie sich einzig daran, was der Markt bereit sei zu zahlen, hatte Ludwig zum Beispiel auf dem 119. Deutschen Ärztetag 2016 in Hamburg erklärt. Selbst Präparate mit nur marginalem Nutzen kosteten oft Tausende Euro.
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