Hessen: Projekt zur Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen startet in den Echtbetrieb

Wiesbaden – In Hessen startet das „SaN Projekt“, das die Notfallversorgung verbessern soll, in drei Pilotlandkreisen – Main-Taunus-Kreis, Main-Kinzig-Kreis und Landkreis Gießen – in den Echtbetrieb. Kernelement ist ein digitaler Prozess, der eine Fallübernahme und -übergabe zwischen Leitstellen des Rettungsdienstes und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ermöglichen soll.
Ganz allgemein gesprochen geht es um Fälle, in denen Menschen den Notruf 112 wählen und dann von einem Rettungsdienst in die Notaufnahme einer Klinik gebracht werden, obwohl sie gar nicht so schwer krank sind. Diese Menschen sollen zu einem Haus- oder Facharzt gebracht werden.
Damit diese Idee funktioniert braucht man Praxen, die sich bereiterklären, diese Patienten spontan zu behandeln. Das ist bisher der Engpass. Laut KV machen bisher in Hessen 35 Partnerpraxen und die acht Bereitschaftsdienstzentralen mit.
Rund 1.300 solcher Zuweisungen gab es seit dem Start des Projekts vor vier Jahren. Bei diesen Zahlen sei noch „Luft nach oben“, findet die KV Hessen. Weil das Partnerpraxisnetz noch recht löchrig ist, werde dann leider doch oft das nächste Krankenhaus angesteuert.
„Hinter dem SaN-Projekt steckt eine einfache Idee: Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an die richtige Stelle geleitet werden“, erklärte die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU). So bekämen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie bräuchten – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen.
Die zentrale Innovation des Projektes sei das Denken der medizinischen Versorgung von Not- und Akutfällen als Ganzes, ganz unabhängig davon, welche Anlaufstelle eine Hilfe suchende Person zuerst kontaktiert, ergänzte Armin Beck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).
Egal ob der Rettungsdienst über die 112, den Akut- und Terminservice der KVH über die 116117 oder die Notaufnahme eines Krankenhauses: Im „SaN-Projekt“ würden die Dringlichkeit und der Versorgungsbedarf der Hilfesuchenden qualifiziert ersteingeschätzt und diese so in die bedarfsgerechte medizinische Versorgung gesteuert, so Beck.
Steffen Gramminger, Geschäftsführender Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG), betonte, damit solche Projekte ihr Potenzial entfalten könnten, dürften die bestehenden Strukturen nicht durch zusätzliche Anforderungen, etwa im Zuge der geplanten Notfallreform der Bundesregierung, überfordert werden.
Ein Jahr lang wird das Modell nun vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung evaluiert. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die ambulante Notfallversorgung reformieren – Hessen könnte ein Vorbild sein.
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