Hitzeschutz: Experten sehen dringenden Handlungsbedarf

Berlin – Expertinnen und Experten sprachen sich gestern bei einer Anhörung des Gesundheitsausschusses des Bundestages für einen umfassenderen Hitzeschutz aus. Beraten wurde der Grünen-Antrag „Hitzekrise ernst nehmen – Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell absichern“. In diesem Zusammenhang herrschte weitgehend Konsens darüber, dass neben vulnerablen Gruppen auch Beschäftigte in Gesundheitseinrichtungen sowie Pflege- und Rettungsdiensten vor besonderen Herausforderungen stehen und deshalb besser vor Hitze geschützt werden müssen.
Bündnis 90/Die Grünen fordern in ihrem Antrag Bund und Länder auf, den bestehenden Hitzeschutzplan „sektorenübergreifend weiterzuentwickeln und zügig umzusetzen“. Die Bundesregierung soll „gemeinsam mit den Ländern darauf hinwirken, dass die Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen verbindlich verankert sowie finanziell unterstützt wird“.
Darüber hinaus soll die Regierung „die Herausforderungen des Gesundheits- und Pflegesystems sowie pflegender Angehöriger während Hitzewellen ernst nehmen“. Konkret soll dies nach den Plänen durch verbindliche Hitzeschutzstandards für alle Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie soziale Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser erreicht werden.
Belastung im Gesundheitswesen hoch
Uwe Janssens, medizinischer Geschäftsführer der Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), erklärte auf Nachfrage der Grünen, die diesjährige Hitzewelle, vor allem aber das Rekordwochenende im Juni, habe enorme Herausforderungen für die Krankenhäuser mit sich gebracht. Insbesondere weil beispielsweise Wartebereiche nicht klimatisiert seien.
Die Ärztinnen und Ärzte seien zudem einer „enormen Belastung“ ausgesetzt gewesen, weil viele Menschen medizinische Versorgung aufgesucht hätten, die Hitze jedoch nicht überlebt haben. Besonders hob er dabei ältere Menschen sowie psychisch Erkrankte hervor. Zudem betonte er, die Krankenhäuser könnten die notwendigen klimatischen Maßnahmen finanziell nicht stemmen. Es müssten daher finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um gemeinsam „Daseinsvorsorge zu leisten“.
Miriam Meschede von KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit bewertete auf Nachfrage der Linken die rechtlichen Vorgaben für Beschäftigte im Gesundheitswesen kritisch. Die dort Arbeitenden seien aus ihrer Sicht doppelt betroffen, da sie einerseits mit einem erhöhten Patientenaufkommen zu tun hätten, während sie selbst unter der Hitze litten. Rein rechtlich müsse hier der Arbeitsschutz greifen. In Räumen, in denen die Temperatur auf über 35 Grad steige, dürfe aus rechtlicher Sicht nicht mehr gearbeitet werden.
In der Realität, erklärte Meschede, werde der Arbeitsschutz jedoch nicht immer umgesetzt. Sie sprach sich für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Hitze aus und nannte beispielhaft die Erstellung und Einführung von „betrieblichen Hitzeschutzplänen beziehungsweise einrichtungsbezogenen Plänen“.
Zudem sprach sie sich für den Umbau von Kliniken aus, betonte aber auch, dass hierfür Ressourcen bereitgestellt werden müssten. Das „Hitzesofortprogramm des Landes Rheinland-Pfalz“ sei hierfür ein Beispiel und könnte Meschede zufolge „als Anhaltspunkt für ein bundesweites Förderprogramm dienen“.
Hitze als Gesundheitsrisiko ernst nehmen
Claudia Traidl-Hoffmann, Institut für Umweltmedizin und Integrative Gesundheit an der Universität Augsburg, erklärte auf Nachfrage der CDU, aus wissenschaftlicher Sicht wisse man noch „zu wenig“ über die Langzeitfolgen einer Hitzeexposition. Dabei nannte sie unter anderem Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.
Mit Blick auf soziale Ungleichheit sei ebenfalls unklar, welche Auswirkungen Hitze haben könne. Bereits nachgewiesen sei jedoch, dass Hitze zu einer beschleunigten Alterung und damit zu einer verkürzten Lebenserwartung führen könne. Für eine breitere Datengrundlage brauche es aus Traidl-Hoffmanns Sicht vor allem Langzeitstudien.
Auf die Frage der Grünen, welche Maßnahmen ihr für den Bundestag besonders wichtig erschienen, nannte sie zwei Punkte. Zum einen müsse der Bund die Klimaanpassung vorantreiben, auch wenn diese ihre Grenzen habe. Ebenso wichtig sei es, „Hitze als Gesundheitsrisiko ernst zu nehmen“ und bei politischen Entscheidungen künftig mitzudenken.
In weiteren Schritten könnten dann bei der Planung von Städten und Gebäuden beispielsweise Begrünung und Beschattung stärker berücksichtigt werden. Dabei dürfe man nicht nur an vulnerable Menschen denken, sondern auch an Ärztinnen und Ärzte sowie andere Beschäftigte.
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