Nordrein-Westfalen will Lehren aus der Hitze für das Gesundheits- und Pflegesystem ziehen

Düsseldorf – Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen (NRW) reagiert mit millionenschweren Förderprogrammen auf den heißen Sommer des Jahres 2026 mit mehr als 3.000 Hitzetoten allein in NRW.
Profitieren sollen Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen und die Kommunen. In Kliniken soll für die Jahre 2027 bis Ende 2029 mit insgesamt 200 Millionen Euro ein Förderprogramm für Klimaanlagen und andere Kühlsysteme sowie Verschattungen auf den Weg gebracht werden.
„Grundsätzlich haben die über 2.260 Einrichtungen der stationären Dauerpflege und die über 160 Einrichtungen der stationären Kurzzeitpflege für eine den klimatischen Verhältnissen angepasste Innentemperatur zu sorgen“, heißt es in einem Papier aus dem NRW-Gesundheitsministerium von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) über „Lehren aus dem Sommer 2026“.
Es habe sich aber gezeigt, dass noch nicht alle Einrichtungen ausreichend auf Starkhitzetage vorbereitet seien. Deshalb sollen für die Jahre 2027 und 2028 insgesamt 50 Millionen Euro für ein Förderprogramm „Kühle Räume“ zur Verfügung gestellt werden.
Auch für Menschen in Wohnangeboten der sogenannten Eingliederungshilfe soll der Hitzeschutz weiterentwickelt werden. Dafür hat die Sozialstiftung NRW ein Sonderprogramm mit einem Volumen von 20 Millionen Euro bereitgestellt. Damit könnten rechnerisch bis zu 30.000 Menschen in Gruppen von drei bis acht Personen in den verschiedenen Wohnformen erreicht werden, bilanzierte das Gesundheitsministerium.
Die Hitzewelle Ende Juni 2026 habe aufgezeigt, dass alleinstehende und einsame Personen mit Vorerkrankungen zu Hause besonders schwer zu schützen gewesen seien, weil sie von den bestehenden Hilfesystemen oft nicht erfasst würden.
Dagegen soll mit „Hitze-Gesundheitsmanagern“ angegangen werden, die vor Ort Kontakte zu solchen Risikogruppen suchen. Dafür sollen den Kommunen aus Mitteln des Paktes für den öffentlichen Gesundheitsdienst rund 36,6 Millionen Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt werden.
Die historische Hitzewelle dieses Jahres sei eine Zäsur, aus der Lehren zu ziehen seien, bilanziert das Gesundheitsministerium in seinem Bericht. „Hitzeschutz ist kein Randthema mehr, sondern Teil der Kernaufgaben in der Gesundheitsversorgung.“
Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) würdigte die Ankündigung als „bedeutsamen Einstieg in die Finanzierung eines umfassenden Hitzeschutzes in den Kliniken“.
Derzeit verfügt nach Angaben der KGNW nur eins von zehn Patientenzimmern über eine Kühlung oder eine Klimaanlage. Aus einer den Angaben zufolge Umfrage unter ihren rund 320 Mitgliedskrankenhäusern gehe hervor, dass selbst bei den Notaufnahmen gut 40 Prozent nicht klimatisiert oder gekühlt seien.
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