IQWiG: Randomisierung bei klinischen Studien entscheidend für verlässliche Therapievergleiche

Köln – Nicht randomisierte Studien bleiben auch bei sorgfältiger Berücksichtigung von Störgrößen mit Unsicherheiten behaftet. Das betont das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem neuen Arbeitspapier.
Auch eine systematische Identifikation und Kontrolle sogenannter Confounder kann danach Unsicherheiten über mögliche Verzerrungen bei nicht-randomisierten Studien nicht vollständig ausräumen – unbekannte und nicht messbare Einflussfaktoren bleiben ein ungelöstes Problem.
Für das Arbeitspapier hat das IQWiG zusammen mit Klinikern Möglichkeiten untersucht, um den Aufwand bei der Identifikation und Erhebung von Confoundern zu verringern. Solche Störgrößen können etwa das Alter oder die Schwere einer Erkrankung sein.
Bei nicht randomisierten Studien verteilen sie sich nicht zufällig auf die Behandlungsgruppen und können die Ergebnisse verzerren. Statistische Methoden können diese Verzerrungen zwar verringern, dafür müssen die relevanten Einflussfaktoren jedoch bekannt sein und sorgfältig erfasst werden.
Dies hat die IQWiG-Arbeitsgruppe am Beispiel der schubförmig remittierenden multiplen Sklerose (RRMS) im Rahmen eines Workshops erarbeitet. Es ergab sich dabei eine Liste von 31 möglichen Confoundern. Mithilfe eines Modells der angenommenen kausalen Zusammenhänge ließ sich diese Zahl auf 27 reduzieren.
Eine anschließende Befragung von 18 Klinikerinnen und Klinikern ergab, dass drei Faktoren als wenig einflussreich eingeschätzt wurden und möglicherweise auch gestrichen werden könnten. Die Zahl der möglichen Störfaktoren für Studien zur RRMS blieb aber immer noch groß.
Zudem haben die Kliniker zwei Einflussfaktoren – die Erwartung an die Behandlung und der Patientenwunsch – als nicht messbar eingestuft. Nach Einschätzung des IQWiG bleiben deshalb selbst bei sorgfältiger Berücksichtigung der erhebbaren Confounder mögliche Verzerrungen bestehen.
„Während der Erarbeitung des Arbeitspapiers wurde zudem einmal mehr deutlich, wie komplex und gleichzeitig anfällig für Verzerrungen nicht randomisierte Studien sind – unter anderem wegen der Gefahr des Confoundings“, erklärte Volker Vervölgyi, Bereichsleiter Onkologie im IQWiG-Ressort Arzneimittelbewertung. „Dieses Problem lässt sich nur durch eine Maßnahme wirklich lösen: die Randomisierung“, betonte er.
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