Ärzteschaft

Iran: Ruf nach mehr Engagement gegen Menschenrechts­verletzungen

  • Montag, 28. November 2022

Frankfurt am Main – Die Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen hat an die Bundesre­gie­rung appelliert, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um die Menschenrechtsverletzungen im Iran zu beenden.

„Während die Menschen täglich für ihre Freiheit und das Recht auf Selbstbestimmung auf die Straße gehen, nimmt das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen sie an Brutalität zu“, schreiben die Delegierten in einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Mehr als 300 Menschen seien bisher ermordet worden, darunter viele Minderjährige.

Besonders perfide sei die Gewalt der Sicherheitskräfte gegenüber der protestierenden Ärzteschaft. Deren Protest richte sich unter anderem gegen die Anwesenheit von Sicherheitskräften in den Krankenhäusern. „Ärztinnen und Ärzte sind gezwungen, ihre Patienten zu ihrem Schutz heimlich und außerhalb der Gesund­heitszentren zu versorgen, und sind selbst Zielscheibe von Repressionen“, schreiben die Delegierten.

Die Bundesregierung müsse alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diese menschliche Katastrophe zu be­enden. „Wir fordern eine Politik, die die Zivilbevölkerung schützt und unterstützt, und die Regierung der Isla­mischen Republik Iran und alle Verantwortlichen dieser massiven Menschenrechtsverletzungen sanktioniert“, so die Hessischen Kammerdelegierten.

Pedram Emami, Präsident der Ärztekammer Hamburg, berichtete dem Deutschen Ärzteblatt, Sicherheitskräfte im Iran drängen in Krankenhäuser ein. „Sogar während der Behandlungen sind die Sicherheitskräfte dazwi­schen gegangen, um die Leute wegzuzerren“, so der Kammerpräsident.

Die Menschenrechtsgruppe Hengaw berichtete vergangene Woche, Mitglieder der Islamischen Revolutions­garde seien am vergangenen Freitagabend in ein Krankenhaus in der westiranischen Stadt Bukan eingedrun­gen.

Demnach haben die Revolutionsgarde in der Klinik den Leichnam eines getöteten Demonstranten „beschlag­nahmt und ihn heimlich begraben“. Zudem hätten sie auf seine Familie geschossen und „mindestens fünf Menschen“ verletzt, hieß es.

Aktivisten werfen den iranischen Sicherheitskräften vor, getötete Demonstranten heimlich zu begraben, um zu verhindern, dass ihre Beerdigung weitere Proteste gegen die iranische Staatsführung auslösen.

hil

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