Jeder Fünfte hat laut Umfrage keine koordinierende Arztpraxis

Hannover – Eine Arztpraxis zur Koordination der Behandlung fehlt laut einer Umfrage jedem fünften Patienten in Deutschland. Bei 20 Prozent der 18- bis 70-jährigen Befragten fehle ein Arzt oder eine Ärztin, der oder die die gesamte Krankengeschichte kenne und die Behandlung durch verschiedene Ärzte koordiniere, wie die Versicherung KKH in Hannover mitteilte. Forsa hatte im Auftrag der Krankenkasse mehr als 1.000 Menschen befragt.
Aus Sicht der Krankenkasse ist das ein Problem. So habe bei der Umfrage mehr als jeder zweite der Befragten wegen einer Beschwerde mehrere Ärzte aufgesucht und dann häufig seine Krankengeschichte wiederholen müssen. Jeder Dritte habe widersprüchliche Empfehlungen erhalten.
Zudem klagten die Patienten über weitere Probleme wie fehlende Befunde bei Arztterminen, Unklarheit über Zuständigkeiten für die weitere Behandlung oder unnötige Doppeluntersuchungen.
„Patientensicherheit darf nicht nur davon abhängen, wie gut einzelne Patientinnen und Patienten selbst ihre Behandlung organisieren können“, sagte Patientensicherheits-Expertin Vijitha Sanjivkumar von der KKH. Sie forderte: „Wir brauchen Strukturen, die dabei unterstützen, Orientierung und Koordination in der Versorgung zu verankern.“
Die schwarz-rote Koalition plant die Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems, bei dem gesetzlich Versicherte in der Regel zuerst eine Hausarztpraxis aufsuchen sollen, die sie bei Bedarf mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum an Fachärzte überweist – ausgenommen sollen unter anderem Augen- und Frauenärzte sein.
Das Inkrafttreten ist für 2028 geplant. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt unter anderem vor einer Überforderung der Hausärzte, da in den kommenden Jahren viele in Rente gehen oder ihre Arbeitszeit reduzieren wollen.
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