Junge Union nimmt Karenztage und Krankschreibung ins Visier

Berlin – Beim CDU-Parteitag im Februar will die Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) tiefgreifende Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente auf die Agenda setzen. Das zeigt ein gestern Abend durch das Portal The Pioneer veröffentlichter Antrag mit dem Titel „Reformjahr 2026 – Mut zu Entscheidungen“.
Angesichts der wachsenden Milliardendefizite in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verlangt die Junge Union darin einen stärkeren Fokus auf eine ambulante statt stationäre Versorgung in Krankenhäusern. „Über vier Millionen Operationen könnten medizinisch sicher ambulant durchgeführt werden, was ein Einsparpotenzial von bis zu acht Milliarden Euro jährlich eröffnet“, heißt es in dem Antrag.
Bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall fordert die Junge Union die Einführung „eines moderaten Karenzzeitraums oder eine zeitlich begrenzte Absenkung der Lohnfortzahlung, um Fehlzeiten zu senken“, wie es weiter heißt.
Die telefonische Krankschreibung ohne persönlichen Arztkontakt müsse abgeschafft werden. Bei der Pflege schlagen die jungen CDU-Mitglieder einen kapitalgedeckten Pflegeversorgungsfonds sowie eine verpflichtende private Zusatzversicherung vor. Für Geringverdiener soll es dabei staatliche Zuschüsse geben.
Zur Reform des Rentensystems werden zehn Vorschläge gemacht. Demnach soll unter anderem das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt und die „Rente mit 63“ außer in Härtefällen abgeschafft werden. Zudem soll es höhere Abschläge bei der Altersrente für langjährig Versicherte geben. Sie sollen bei vorzeitigem Rentenbeginn von derzeit 0,3 auf 0,6 Prozent pro Monat verdoppelt werden.
Darüber hinaus soll sich die Erhöhung der Renten künftig an der Inflation, aber nicht mehr an der Lohnentwicklung orientieren. Zudem soll der Nachhaltigkeitsfaktor zur Dämpfung des Rentenanstiegs „schnellstmöglich“ wieder eingeführt und verdoppelt werden.
Geringere Rentenbeiträge sollen künftig aber Eltern zahlen: „Der Beitragssatz für kinderlose Erwerbstätige soll dabei um einen Prozentpunkt und für Erwerbstätige mit einem Kind um 0,5 Prozentpunkte höher liegen als der Beitragssatz für Erwerbstätige mit zwei oder mehr Kindern“, heißt es dazu in dem Antrag. Er fordert auch eine stärkere Förderung der betrieblichen Altersvorsorge und eine Ausweitung der staatlich geförderten Frühstartrente zum Aufbau eines Vorsorgedepots.
höhere Abschläge bei der Altersrente für langjährig Versicherte aus, um Anreize zur Frühverrentung zu verringern. Zudem wird die Einschränkung der Lohnfortzahlung in den ersten Tagen einer Erkrankung gefordert.
Der CDU-Parteitag tagt am 20. und 21. Februar in Stuttgart. Parteigruppierungen positionieren sich davor mit Anträgen, die auf dem Treffen beraten werden.
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