Ärzteschaft

Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg plant für Totalausfall

  • Freitag, 13. März 2026
/fodo.media, H.Dostal
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Potsdam – Nach dem flächendeckenden Stromausfall, der Berlin Anfang Januar flächendeckend lahmlegte, erarbeitet auch die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) Notfallpläne für die ambulante Versorgung. Das sagte das Vorstandsmitglied der KVBB, Holger Rostek, heute auf der Vertreterversammlung in Potsdam.

„Der jüngste Stromausfall in Berlin hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, dass der Ausfall kritischer Infrastruktur ein reales Szenario ist“, erklärte er. Versorgungssicherheit entscheide sich dabei nicht allein an der Technik, sondern maßgeblich am Faktor Personal.

„Wenn der Nahverkehr stillsteht und die Kinderbetreuung wegbricht, erreicht auch das medizinische Personal seinen Arbeitsplatz nicht mehr“, sagte Rostek. „Die KVBB erarbeitet derzeit spezifische Notfallpläne und Hinweise für die Praxen, um die Versorgung auch bei großflächigen Störungen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.“ Krisenvorsorge müsse den Menschen im System endlich stärker mitdenken.

Das Vorstandsmitglied Stefan Roßbach-Kurschat plädierte ebenfalls für eine frühzeitige Beschäftigung mit verschiedenen Krisenszenarien. Nötig seien eine „Identifikation und Analyse der zeitkritischen Prozesse“, deren Ausfall und Wiederanlauf.

Die niedergelassenen Ärzte müssten sich dazu mit anderen Stakeholdern vernetzen, etwa den stationären Trägern oder der Bundeswehr. Und statt auf eine staatliche Ansage zu warten, sollte man selbst Best-Practice-Beispiele sammeln und „üben, üben, üben.“

Ein auf das jeweilige Bundesland angepasstes Modell der Patientensteuerung hat unterdessen bei der VV die Vorstandsvorsitzende der KVBB, Catrin Steiniger, gefordert. „Wir brauchen eine intelligente Steuerung, die den vorhandenen Ressourcen im jeweiligen Land angepasst ist“, sagte sie bei der Vertreterversammlung der KVBB heute in Potsdam.

In der Praxis gebe es große Unterschiede etwa in der Arztdichte zwischen Stadtstaaten wie Berlin und Flächenländern wie Brandenburg. Zudem sprach sich Steiniger für eine Endbudgetierung der Gebietsärzte aus. Es dürfe keine Leistung ohne Vergütung erbracht werden.

Vor dem Hintergrund des auf Bundesebene anstehenden Notfallreformgesetzes warnte Steiniger vor der Einführung von 24/7-Notdiensten. Damit würden „ineffiziente Doppelstrukturen“ geschaffen, die zu Lasten der ambulanten Versorgung gingen.

Ein 24/7-Notdienst würde dazu beitragen, die Sprechstundenzeiten in ambulanten Praxen zu verringern und den ambulanten Sektor insgesamt schwächen. Es dürfe keine Einsparungen im ambulanten Sektor geben, während gleichzeitig unwirtschaftliche Krankenhausstrukturen mit Milliardenbeträgen am Leben gehalten würden.

„Die Ambulantisierung funktioniert nicht als Einbahnstraße, bei der man nur die Krankenhäuser für ambulante Angebote öffnet“, so Steiniger. Die wirtschaftlichen ambulanten Strukturen müssten gefördert werden. Sie dürften nicht kaputtgespart werden.

benl

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