KBV-Arztzahlstatistik: Zeit für Patientenversorgung wird knapper

Berlin – Zwar steigt die absolute Arztzahl pro Kopf in der ambulanten Versorgung anhaltend, dennoch wird die für die Patientenversorgung zur Verfügung stehende Zeit knapper. Dies zeigen aktuelle Daten der Arztzahlstatistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für das Jahr 2025. Ein Grund dafür ist, dass vermehrt eine Anstellung oder Teilzeitbeschäftigung bevorzugt wird.
Den Daten der KBV zufolge stieg die Zahl der an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten im vergangenen Jahr um 2.324 (plus 1,2 Prozent) auf 191.875 an. Der Zuwachs fiel im ärztlichen Bereich geringer aus (0,7 Prozent) als in der Psychotherapie (3,7 Prozent).
Zudem macht die Statistik deutlich, dass zunehmend flexiblere Arbeitsformen gewählt werden: Vergangenes Jahr befanden sich knapp 60.000 Ärzte und Psychotherapeuten in einer Anstellung und bereits mehr als 70.000 arbeiteten in Teilzeit.
Setzt sich dieser Trend unverändert fort, wäre ein Übergang zu einer mehrheitlichen Teilzeitbeschäftigung bei Medizinern im Jahr 2039 erreicht. Um die 25.000 in Vollzeit tätigen Ärztinnen und Ärzte zu kompensieren, die in den kommenden 20 Jahren die ambulante Versorgung verlassen, bräuchte es rund 50.000 Ärztinnen und Ärzte auf Teilzeitbasis, betonte die KBV.
„Arztpraxen sind keine beliebig verfügbare Ressource“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, zu den Daten. Damit die Versorgung in Deutschland erhalten bleibe, müsse die Politik unbedingt für attraktive Rahmenbedingungen sorgen, anstatt die Niedergelassenen mit „unausgereiften Sparvorschlägen oder zusätzlichen Belastungen zu verschrecken“. Das viele junge Ärztinnen und Ärzte zur Anstellung oder Teilzeit tendieren, müsse als Entwicklung ernst genommen werden.
Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, verwies darauf, dass gerade bei der hausärztlichen Versorgung die Zahlen einen kontinuierlichen Rückgang nachweisen würden. Schon jetzt seien etwa 5.000 Hausarztsitze deutschlandweit nicht besetzt. „Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen – unter anderem etwa weniger Bürokratie und eine bessere Patientensteuerung.“
Die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte stieg 2025 zwar um 0,6 Prozent von 55.435 auf 55.778 – aufgrund des Trends zur Teilzeit sank die Zahl der vollen Sitze in der hausärztlichen Versorgung allerdings um 0,1 Prozent.
„Die Ärzteschaft wird jünger und weiblicher. Immer mehr Kolleginnen übernehmen medizinische Verantwortung und prägen die ambulante Versorgung vor Ort entscheidend mit“, wies Sibylle Steiner, KBV-Vorstandsmitglied, auf einen weiteren Aspekt der aktuellen Arztzahlstatistik hin.
Vor allem in diesen Gruppen zeige sich, dass eine moderne ambulante Versorgung nur gelinge, wenn man einen Arbeitsalltag ermögliche, der medizinische Qualität in den Mittelpunkt stelle und gleichzeitig individuelle Lebensrealitäten berücksichtige.
Der Gesamtanteil der Frauen in der ambulanten Versorgung lag vergangenes Jahr bei mehr als der Hälfte (53,2 Prozent) – 2015 betrug der Wert noch 44,1 Prozent.
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