Keine Betten mehr: Athen nimmt Privatkliniken in die Pflicht

Athen – Zwei Privatkliniken in Thessaloniki müssen auf Anordnung der griechischen Regierung seit heute 200 Plätze für Coronapatienten zur Verfügung stellen. Möglich wurde dies durch ein kürzlich verabschiedetes Pandemiegesetz.
Die Anordnung erfolgte, nachdem sich die neun Privatkliniken in Thessaloniki geweigert hatten, Coronapatienten aufzunehmen. In der Hafenstadt sind in den staatlichen Krankenhäusern nur noch acht Coronaintensivbetten frei, berichtete die Tageszeitung Kathimerini. In Athen seien es nur noch 45.
Der griechische Privatklinik-Verband begründete die Weigerung zur Aufnahme von Coronapatienten damit, dass die Kliniken nicht für Corona ausgestattet seien. Es mangele an Möglichkeiten, die Patienten zu isolieren, auch sei das Personal nicht für die Behandlung dieser Kranken geschult.
„Menschenleben werden gefährdet“, warnte Verbandschef Grigoris Sarafianos heute im Fernsehsender Skai. Man habe stattdessen angeboten, den staatlichen Krankenhäusern 1.000 andere Patienten abzunehmen.
Das griechische Gesundheitssystem gerät derzeit wegen der steigenden Coronazahlen stark unter Druck. Zwar war Griechenland bisher im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht so stark von Corona betroffen – allerdings ist der Gesundheitssektor nach der zehn Jahre währenden Finanzkrise des Landes auch nicht gut ausgestattet.
Im ganzen Land gibt es 1.220 Intensivbetten, 651 davon gelten als Coronabetten, fast alle sind belegt. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es mit rund acht mal so vielen Einwohnern fast 20 Mal so viele Betten wie in Griechenland.
Vor allem in Thessaloniki hatte sich das Virus in den vergangenen Wochen stark verbreitet, die Hafenstadt gehört zu den am stärksten betroffenen Regionen Griechenlands. Von den landesweit 3.227 neuen Infektionen wurden gestern fast 800 dort verzeichnet.
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