Kinderchirurgen raten zur Versorgung von Frühgeborenen in Perinatalzentren
Berlin – Schwangere mit einer drohenden Frühgeburt oder mit bereits bekannten gesundheitlichen Problemen ihrer noch ungeborenen Kinder sollten zur Entbindung in spezielle Zentren für Früh- und Neugeborene (Perinatalzentren) gehen. Das rät die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Ein Grund dafür sei, dass etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Frühgeborenen im Laufe ihrer ersten Lebenswochen operiert werden müssten.
Durchblutungsstörungen des Darmes oder schwere Darmentzündungen, Fehlbildungen von Speiseröhre, Zwerchfell und Magen-Darm-Trakt oder eine offene Bauchdecke, aber auch Geburtskomplikationen wie Hirnblutungen, Darmverschluss oder Leistenbruch seien mögliche Indikationen für eine rasche OP bei Frühgeborenen.
Dank des Fortschritts in der Neugeborenenmedizin sei es möglich, derartige Eingriffe schon an frühgeborenen Kindern ab etwa der 24. Schwangerschaftswoche und mit einem Geburtsgewicht von 500 Gramm durchzuführen. „Möglich sind diese Erfolge aber nur durch eine enge Zusammenarbeit von Kinderchirurgen mit Gynäkologen, Kinderärzten, Kinderanästhesisten, spezialisierten Kinderintensivmedizinern und auf Frühchen spezialisiertem Pflegepersonal“, betonte Bernd Tillig, Chefarzt der Kinderchirurgie und Neugeborenenchirurgie am Klinikum Vivantes, Berlin.
Jede Operation sei für ein Frühgeborenes eine große Belastung und extremer Stress. Deshalb müsse besonders sorgfältig und gewebeschonend sowie möglichst zügig operiert werden, so Tillig. Wichtig sei, dass moderne Kinderanästhesie und Kinderintensivmedizin diese Eingriffe begleiteten. Die dafür notwendigen Geräte seien auf die winzigen Patienten abgestimmt. Nach der Operation versorgten in den den Perinatalzentren eigens dafür ausgebildete Pflegekräfte die Kinder.
In der Vergangenheit hatten die vom Gemeinsamen Bundesausschuss geforderten Mindestmengen für Perinatalzentren Diskussionen auch in der Ärzteschaft ausgelöst. Eine Mindestmengenregelung befürwortete zum Beispiel die Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. Grundsätzlich sei die Vorgabe von 30 Frühgeborenen unter 1.250 Gramm sinnvoll, noch besser sei allerdings die international verbreitete Vorgabe von 50 Frühgeborenen unter 1.500 Gramm, hatte 2011 dessen zweite Vorsitzende, Claudia Roll, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt erklärt.
„Es gibt keine hinreichende Evidenz für konkrete, noch dazu derart hohe Fallzahlgrenzwerte, und es ist auch nicht belegbar, dass die Ergebnisqualität von der Leistungsmenge in besonderem Maße abhängig wäre“, argumentierte der Vorsitzende der Qualitätssicherungs-Gremien der Bundesärztekammer, Günther Jonitz, gegen diese Position.
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