Perinatalstationen brauchen Hilfe bei der Umsetzung von Qualitätsvorgaben

Berlin – Die Frühgeborenenabteilungen in den deutschen Krankenhäusern müssen rund 2.500 zusätzliche Pflegefachkräfte einstellen, um die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen Personalausstattungsanforderungen zu erfüllen. Die zusätzlichen Kräfte kosten im Jahr rund 130 Millionen Euro. Das berichtet die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG). Basis für diese Zahlen ist eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter den Perinatalzentren.
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass derzeit nur ein kleiner Teil der Krankenhäuser die Personalvorgaben erfüllen kann. „Beides, weder das Geld noch das erforderliche qualifizierte Personal, ist derzeit verfügbar“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum, heute in Berlin. Er fordert vom Gesetzgeber ein Förderprogramm, „ansonsten kann die hohe Qualitätsnorm, die unter anderem vorsieht, dass auf den Intensivstationen je Schicht eine Intensivpflegekraft für nur ein Frühchen zuständig ist, nicht erfüllt werden“, so Baum.
Hintergrund der Befragung und des DKG-Aufrufes ist eine G-BA-Richtlinie vom Juni 2013. Sie sieht vier Versorgungsstufen vor und verpflichtet die Krankenhäuser dazu, die Anforderungen an die jeweilige Versorgungsstufe zu erfüllen, um die Leistungen erbringen zu dürfen. Für Perinatalzentren sieht die Richtlinie unter anderem vor, dass mindestens eine Gesundheits- und Kinderkrankenpflegekraft je intensivtherapiepflichtigen Frühgeborenen ständig verfügbar ist.
„Vor dem Hintergrund des bereits heute herrschenden Fachkräftemangels in der Pflege stellt die Umsetzung der G-BA-Regelungen für die betroffenen Kliniken ein fast unlösbares Problem dar“, sagte der DKG-Geschäftsführer. Die Krankenhäuser bemühten sich „nach Kräften“, die G-BA-Vorgaben zu erfüllen, auch indem sie zusätzliches Personal ausbildeten.
Aber allein die Ausbildung in der Kinderkrankenpflege dauere drei Jahre, die anschließende pflegerische Fachweiterbildung nochmals weitere zwei Jahre. „Berücksichtigt man diesen Zeithorizont, führt kein Weg daran vorbei, rechtzeitig im G-BA über eine Verlängerung der Übergangsfrist zu beraten“, so Baum.
An der DKI-Befragung nahmen 163 der 240 Perinatalzentren in Deutschland teil, was einer Rücklaufquote von knapp 70 Prozent entspricht.
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