Krankenhäuser warnen vor Auslaufen des befristeten Rechnungszuschlags

Berlin – Zum 1. November läuft der befristete Rechnungszuschlag für Krankenhäuser aus. Ab Januar 2027 soll es dann erneut pauschale Zuschläge geben. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt, die Finanzlücke werde damit größer.
Der Rechnungszuschlag war im Jahr 2025 eingeführt worden, um die finanzielle Situation der Kliniken kurzfristig zu stabilisieren. Seit dem 1. November 2025 konnten Krankenhäuser für gesetzlich Versicherte, die zur voll- oder teilstationären Behandlung aufgenommen werden, einen Zuschlag von 3,25 Prozent auf den Rechnungsbetrag erheben.
Mit der auf ein Jahr befristeten Regelung sollten nach Willen des Gesetzgebers Finanzierungslücken ausgeglichen werden, die insbesondere durch Kostensteigerungen in den Jahren 2022 und 2023 entstanden waren.
Insgesamt stellte der Bund dafür vier Milliarden Euro bereit. Die Finanzierung erfolgte über zusätzliche Zuschüsse an den Gesundheitsfonds von 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2025 und 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2026. Für Patienten, die ab dem 1. November 2026 aufgenommen werden, entfällt der Zuschlag.
Der Bund hat mit der Notfallreform aber eine neue Finanzhilfen für Krankenhäuser angeschoben. 450 Millionen Euro soll es im Rahmen von Rechnungszuschlägen ab 2027 geben sowie 100 Millionen Euro für Unikliniken.
„Der neue pauschale Zuschlag in Höhe von 27,30 Euro beziehungsweise 50 Euro für Unikliniken ab dem 1. Januar 2027 wird die Kosten in den meisten Krankenhäusern nicht abdecken können und so die wirtschaftliche Schieflage in der Krankenhausversorgung weiter verschärfen“, hieß es aus der DKG.
„Die 3,25 Prozent haben vielerorts den Unterschied zwischen roten Zahlen und zumindest einer schwarzen Null gemacht“, sagte DKG-Geschäftsführer Gerald Gaß.
Er verwies auf eine Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts. Danach erwarten alle Krankenhäuser, dass sie der Wegfall des Rechnungszuschlags wirtschaftlich belastet. 76 Prozent rechnen mit sehr starken, 23 Prozent mit starken und nur ein Prozent mit weniger starken Belastungen.
Der Befragung zufolge sind Krankenhäuser in dünn besiedelten Regionen besonders betroffen. Dort rechnen 85 Prozent mit sehr starken Belastungen. Um diese Belastungen zu kompensieren, wollen 52 Prozent der Kliniken den Personalbestand verringern, 65 Prozent Investitionen verschieben oder ganz streichen und 76 Prozent planen einen Einstellungsstopp.
„Die Krankenhäuser benötigen eine zukunftsfeste Finanzierung, die es den Verantwortlichen in den Kliniken wieder ermöglicht, langfristig zu planen. Das ist mit befristeten Zuschlägen oder einzelnen Geldspritzen nicht möglich“, sagte Gaß.
Er schlug vor, „die ausufernde Bürokratie in den Krankenhäusern entschieden und konsequent abzubauen. Fallen medizinisch sinnlose Dokumentationspflichten, überzogene Prüfungen, Mehrfachmeldungen und anderes weg, ließen sich Milliarden einsparen, ohne dass die Versorgung in Mitleidenschaft gezogen wird“, so Gaß.
Der Katholische Krankenhausverband Deutschland betonte ebenfalls, wie wichtig der Abbau von Bürokratie für die Häuser ist. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) sollte das nun beschleunigt umsetzen.
„Wer eine bessere Krankenhausversorgung will, muss den Kliniken die wirtschaftliche Grundlage, Planungssicherheit und Handlungsspielräume geben, um einen geordneten Krankenhausumbau erfolgreich umzusetzen“, forderte Geschäftsführerin Bernadette Rümmelin.
Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen
Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.
Jetzt bei Google bevorzugenDiskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: