Krankenkassen: „Kein Millimeter Spielraum“ bei Einsparungen

Berlin – Der GKV-Spitzenverband dringt angesichts weiter stark steigender Ausgaben auf eine strikte Umsetzung des Sparpakets für stabile Beiträge im kommenden Jahr. „Es ist kein Millimeter Spielraum“, sagte der Chef des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt.
Nur wenn alle bereits beschlossenen Sparmaßnahmen voll durchgezogen würden, könne die 2027 klaffende Lücke von 18 Milliarden Euro geschlossen werden. „Das grundlegende Kostenproblem ist immer noch gewaltig.“ Im ersten Halbjahr seien die Ausgaben fast doppelt so schnell gestiegen wie die Einnahmebasis, also Löhne, Gehälter und Renten.
Von Januar bis Ende Juni gingen die Ausgaben der Krankenkassen für medizinische Leistungen um 7,4 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 herauf, wie der Spitzenverband mitteilte. Auf der anderen Seite gab es bei den Einkommen der Versicherten, auf die Krankenkassenbeiträge erhoben werden, ein Plus von 4,1 Prozent.
Unter dem Strich stand demnach bis Ende Juni ein Überschuss von 2,6 Milliarden Euro. Hintergrund sind Erhöhungen der Zusatzbeiträge bei vielen Kassen. Der Überschuss müsse dafür eingesetzt werden, dass die Kassen ihre Rücklagen wieder auf vorgeschriebene Niveaus auffüllen können, betonte Blatt.
Spargesetz soll Lücke schließen – gerade so
Um neue Beitragserhöhungen zu verhindern, hatte die schwarz-rote Koalition ein Spargesetz durchgesetzt. Demnach greifen Anfang 2027 Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche – aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenfreien Mitversicherung von Ehepartnern.
Laut Gesundheitsministerium wird damit eine erwartete Lücke von 18,8 Milliarden Euro geschlossen – nach einem Bericht des Haushaltsausschusses des Bundestags aber ohne einen zusätzlichen Puffer.
Kostentreiber bei den Leistungsausgaben im ersten Halbjahr waren den Kassendaten zufolge weiterhin Klinikbehandlungen mit einer Zunahme von 9,4 Prozent. Die Ausgaben für ärztliche Behandlungen in den Praxen erhöhten sich um 6,1 Prozent und für Arzneimittel um 5,2 Prozent. Die Verwaltungskosten der Kassen stiegen demnach um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
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