Krebsgesellschaft fordert bei Strukturreformen stärkeren Fokus auf Qualitätssicherung

Berlin – Bei den anstehenden Strukturreformen im Gesundheitswesen muss die Behandlungsqualität stärker in den Fokus rücken und mehr Beachtung finden als reine Finanzierungsfragen. Das forderte die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) heute in Berlin.
Dabei müsse auch der Zugang als Qualitätsindikator verstanden werden. „Nicht allein gewachsene Strukturen dürfen darüber entscheiden, wo eine Behandlung erfolgt. Der Kompass muss die Qualität sein“, erklärte DKG-Generalsekretärin Konstanze Blatt. In der Onkologie müssten dabei die zertifizierten Krebszentren den Maßstab bilden, was aber auch auf andere Versorgungsbereiche übertragbar sei.
Mit der Krankenhausreform sei hier schon ein wichtiger Schritt in die Richtung einer qualitätsorientierten Versorgung gegangen worden, betonte daraufhin Katja Kohlfeld, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG). Studien würden zeigen, dass Krebserkrankte in zertifizierten Zentren deutlich bessere Überlebenschancen hätten.
Das geplante Primärversorgungssystem könne ihnen ebenso zugutekommen. „Auch onkologische Patienten profitieren von einer koordinierten Behandlung“, unterstrich sie. Bei 500.000 Krebsfällen im Jahr sei das auch nötig.
Das BMG setze sich für eine bessere Vernetzung der 2.200 zertifizierten Krebszentren und der Krebsregister in Deutschland ein. Trotz großer Fortschritte bleibe die Krebstherapie aber eine große Herausforderung, der vor allem mit einer besseren Digitalisierung und Datennutzung begegnet werden müsse.
Auch die Prävention müsse gestärkt werden. Rund 37 Prozent der Krebserkrankungen seien auf Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung zurückzuführen. Die Steuererhöhungen auf Alkohol und zuckerhaltige Getränke seien deshalb eine sinnvolle Maßnahme.
Auch das Hautkrebsscreening solle deshalb „evidenzbasiert weiterentwickelt“ werden – der Fokus müsse auch hier auf gezielter Ansprache auf Risikofaktoren und andere Untersuchungsintervalle gesetzt werden. „Auch das ist für uns Qualität – nicht jeder das gleiche, sondern gezielt zugeschnitten.“
Allerdings, so wandte Blatt ein, tue sich die Politik bisher schwer, die richtigen Erkenntnisse auch umzusetzen. So würden jährlich noch rund 200.000 Krebspatienten in nicht zertifizierten Zentren behandelt.
Es brauche hier mehr Transparenz, um Patienten in die Einrichtungen mit der entsprechenden Versorgungsqualität zu lotsen, mahnte Martin Krasney, Vorstand beim GKV-Spitzenverband. Dazu müsse ein leicht zugängliches Register aufgebaut werden. „Das ist dringend erforderlich.“
Allerdings seien die Widerstände gegen so eine Maßnahme in Politik und Selbstverwaltung groß, wie man bereits beim Klinik-Atlas gesehen habe. Zudem werde so ein Verzeichnis auch für andere Versorgungsbereiche gebraucht – auch im ambulanten Sektor. „Das ist aber ein noch dickeres Brett zu bohren“, räumte er ein.
Dafür erhielt er Zustimmung von Armin Grau, stellvertretendes Mitglied im Bundesgesundheitsausschuss für die Grünen. Teil des geplanten Primärversorgungsmodells müsse ein Kriterienkatalog mit Qualitätsmaßstäben für die steuernden Hausarztpraxen sein.
Dort müsse ein Qualitätsmonitoring von Anfang an integriert werden, was über Routinedaten auch ohne erhöhten bürokratischen Aufwand möglich sei. „Moderne Qualitätssicherung erfordert nicht, Papierbögen auszufüllen“, betonte er.
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